Der Tag am Rhossili Beach war wunderschön. Wir verbummeln ihn am Strand, im Dicken und bei den Pferden, die hier gleich an der Böschung grasen. Nur übernachten darf man auf dem National Trust Parkplatz nicht und deshalb machen wir uns am Nachmittag auf den Weg in Richtung Cotswolds.
Die Cotswolds (cot = Schafstall; wold = Hügellandschaft) sind eine der schönsten Landschaften Englands und erstrecken sie westlich von London über 2000 Quadratkilometer und fünf Grafschaften. Schon vor zwei Jahren bin ich hier gewesen und möchte auf dem Rückweg noch einen Stopp einlegen. Die Landschaft aber auch die niedlichen, märchenhaft anmutenden Kalksteinhäuschen sind einfach zu schön. Für die Nacht schaffen wir es bis Tetbury. Da gibt es nur einen Stellplatz im Städtchen, aber der ist absolut ruhig, ganz hinten in der Ecke und mit Blick auf den Kirchturm.
Den Abend verbringe ich damit, mir Gedanken zu machen, wo ich meine Gasflasche auffüllen kann, denn die hat ihren letzten Seufzer getan. Das heißt: kein Kochen, kein warmes Wasser und keinen Kühlschrank… für eine noch verbleibende Woche etwas blöd. Die Recherche ist auch schwierig, weil das mobile Netz wieder einmal wechselhafter ist als das Wetter. Aber als ich die Augen schließe weiß ich: John Stayte Services Cirencester könnte mir helfen – keine 12km entfernt.
Also starte ich am Morgen und hole mir erst mal einen Kaffee an der Tankstelle. Dann warte ich auf John, mache mir derweil Frühstück und als der ganz engagiert eine britische Gasflasche anschließen will, stimmt keiner der Anschlüsse. Auch das neue Anschlussteil, das ich bei ihm käuflich erwerbe, kann nicht an dem Schlauch angebracht werden, weil absolut nix zusammenpasst. Da ist auch John ratlos und die einzige Möglichkeit, die ihm einfällt, ist ein Gaskocher. Gut, dann sind wenigstens zwei von meinen drei Problemen gelöst.
Und wie ich so auf Johns Hof stehe und den Rest von meinem Kaffee schlürfe, denke ich: Willst du doch mal schauen, ob es doch noch ein Ticket für die Warner Brother Studios bei London gibt. Die Idee, dort die Harry-Potter-Tour zu machen, hatte ich schon vor zwei Wochen. Leider war da alles schon ausgebucht. Augenscheinlich hat jemand sein Ticket zurückgegeben und so buche ich für Sonntag mein Ticket. Was für ein schöner Abschluss. Nach dem Gasproblem ist das doch mal eine schöne Überraschung.
Fahren wir also nach Bibury, einem der schönsten Cotswolds Dörfchen. Na eigentlich kann man sagen, geht es hier hauptsächlich um eine Häuserreihe, die Arlington Row aus dem 17. Jahrhundert und da treffen sich dann auch alle. Schon morgens 10:00 Uhr ist hier ganz schön was los. Aber schön ist´s trotzdem. Wir müssen in den sauren Apfel beißen und diesem Wucherer von Farmer 10 Pfund für den Parkplatz bezahlen, denn die sind im Ort Mangelware, gerade für meine Fahrzeuggröße. Und so hat der Besitzer der örtlichen Forellenfarm einerseits sein Feld zur Verfügung gestellt und andererseits sein Farm geöffnet – für weitere 10 Pfund… das lass ich aber dann doch sein und lauf am idyllischen Flüsschen Coln entlang Richtung Arlington Row.
Dann entfliehen wir dem Trubel und drehen noch eine Runde über die umliegenden Felder, vorbei an einer alten Mühle, hin zum Kirchlein und wieder zurück zum Parkplatz. Und welch Freude: Luna trifft unterwegs einen Border Collie, der genau so gern ins Wasser geht.
Zurück am Wohnmobil probiere ich meinen neuen Gaskocher aus, wir verbummeln die Hitze im Schatten, Luna schläft und ich lese. Morgen, am Samstag möchte ich mir noch einen Garten, Park oder Herrenhaus des National Trust anschauen – kann mich aber irgendwie nicht entscheiden. Also denke ich, sollte man sich erst einmal um eine letzte Auffrischung des Dicken kümmern. Ich schenke einem erst überraschten dann sehr erfreuten Besucher meine sauteure Parkkarte und fahre los. Und das, was dann kommt, hätte ich mir gern erspart. Viel Verkehr, enge Straßen, drei Ablehnungen meiner Bitte um Wasser und Toilettensäuberung bei Campingplätzen, ständig verschwindendes Netz… eine einzige Odyssee. Mein Mantra: Ruhig bleiben und weiter. Ein Typ meinte, ich könnte für 40 Pfund mein WC leeren. Das sei der Preis für einen Stellplatz…
Aber wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende und das kommt dann bei Baydon auf einem idyllischen kleinen Zeltplatz beim freundlichen Bruce. Hier ist es so gemütlich, da bleibe ich dann auch gleich für die Nacht. Außer mir campen hier nur zwei deutsche Familien. Eine ist ausgewandert und wohnt jetzt in London. Der Bruder mit Familie ist zu Besuch und man verbringt hier gemeinsam Zeit. Wir kommen ins Gespräch über Auswandern, Brexit, Mietpreise in London und schwatzen bis es dunkel wird. Auf dem Feld nebenan grasen die Pferde Luna schnüffelt freudig durch die Gegend und das Womo mach ich morgen frisch. Na bitte! Geht doch! Manchmal dauert`s eben länger.
1 Kommentar zu „Na bitte, geht doch!“
Netti
Was für herrliche Bilder und Impressionen! Und der Stellplatz genau neben den Pferden…. 😊Mir ist gerade erst richtig bewusst geworden, dass du ja jede Strecke auch noch mit Linksverkehr bewältigen musst… Ach herrje. Aber wie schön, dass dich nichts aus der Ruhe bringen kann… Liebste Grüße aus der Heimat!
Was für herrliche Bilder und Impressionen! Und der Stellplatz genau neben den Pferden…. 😊Mir ist gerade erst richtig bewusst geworden, dass du ja jede Strecke auch noch mit Linksverkehr bewältigen musst… Ach herrje. Aber wie schön, dass dich nichts aus der Ruhe bringen kann… Liebste Grüße aus der Heimat!