Alasdair Crotach war ein religiöser Mann und trotzdem hatte er viel zu bereuen. Als Clan-Chef Alexander MacLeod kannte er mit Feinden keine Gnade . Viele Jahre herrschten die MacLeods über die Inseln und noch heute ist das auf den Hebriden ein weit verbreiteter Name. Auch die Hauptfigur des Roman „John of John“ von Douglas Stuart, der in der Gegenwart auf den Hebriden spielt und den ich mir deshalb mitgenommen habe, heißt Cal MacLeod.
Alexander MacLeod war der Taten überdrüssig geworden und wollte Buße tun. So übergab er das Amt des Clanchefs seinem Sohn, wurde Mönch und baute auf Harris eine Kirche. St.Clemens Church ist das einzige alte Kirchengebäude, dass ich auf den Inseln gesehen habe. Alle anderen sind moderne, sachliche Zweckbauten und haben schon gar keinen Turm. Die Hebridiens sind sehr gläubig. Von Presbyterianern bis Katholiken, freien Gemeinden und Reformierten ist alles dabei.
Im Inneren der Kirche kann man das aufwendig verzierte Grab des büßigen Erbauers bewundern. Sonst gibt es in dem spätgotischen Bauwerk noch ein paar Grabplatten – das wars.
Wir bummeln über das Gelände und schauen von den Felsen nebenan hinauf aufs Meer, verschlendern den diesigen Vormittag. Doch auch dieses Wetter zaubert wunderbare Lichtstimmungen in die Landschaft und lässt mich ein bisschen das Tempo rausnehmen. Schön eigentlich – also wollen wir mal nicht meckern..
Hatte ich mir gestern die Ostküste von Süd-Harris angeschaut, so soll es heute entlang der Westküste bis zu meinem Ausgangspunkt, dem Lyskentire Beach und dann weiter in Richtung Tarbert hinauf gehen. Im Gegensatz zur kargen und schroffen Ostküste, reiht sich im Westen ein wunderbarer Strand an den anderen. Wir beginnen in Northton. Neben dem Soud of Northton mit seinem 5km langen Sandstrand interessiert mich aber zuerst „Croft 36“. Das ist eine Mini-Bäckerei, die im Holzofen fantastisches Gebäck herstellen.
Als ich ankomme, sind es noch 5 Minuten bis zur Öffnung und es warten schon einige Kunden. Da die Tür aufsteht, treten wir ein und auch hier: tiefes Vertrauen in das Gute im Menschen. Alle Backwaren sind einsortiert, der Kaffee steht in Thermoskannen bereit und man darf sich selbst bedienen. Kasse des Vertrauens und Paypal-Link sind platziert und so nehme ich mir meine köstlich duftende Zimtschnecke, bezahle und bin schon wieder verschwunden. Die gibts heute Nachmittag. Ordentliches Brot ist leider auch hier nicht zu bekommen.
Ich fahre die kleine Straße Richtung Strand bis es nicht mehr weitergeht und dann starten wir trotz der Nieselei zu eine kleine Wanderung. Das gestaltet sich gar nicht so einfach, wie ich dachte. An den großen Sandstrand kommt man hier erstmal nicht, riesige Schafweiden sind dazwischen. Das Licht ist zum Fotografieren gerade auch irgendwie ungünstig, kaum Farben sind zu sehen und so stapfen wir miesepetrig vor uns hin. Doch dann nimmt mich die Landschaft gefangen. Sumpfige Wet-Machair-Wiesen, bunte Blütenteppiche, wechselnde Lichtstimmungen und ein Ort, den man in Deutschland aus Vogelschutzgründen sicher nicht betreten dürfte – Wahnsinn! Austernfischer, Graugänse, Möven und manch andere gefiederte Seelchen machen ein ganz schönes Palaver, als wir es wagen, in ihr Reich einzudrigen. Das sind sie scheinbar nicht gewöhnt, denn außer uns hat sich hier niemand hin verirrt.
Die Farben erinnern mich gleich an das Buch über den Tweed und so sehe ich selbst: Vom Land kommt die Kleidung… zumindest die Farben der selben.
Ich kann mich gar nicht losreißen und komme in einen richtigen Fotorausch. Wie schnell sich das Wetter, das Licht und auch die menschliche Stimmung doch drehen kann. Erst noch miesepetrig – jetzt begeistert. Dann fahren wir keine 5km weiter zum Scarista Beach. Hier finde ich einen Parkplatz neben dem Golfclub und habe diesen fantastischen Blick hinab zum Strand.
Auch jetzt wechseln Licht und Stimmung im Minutentakt und das schreit doch förmlich nach einer Pause zum Genießen. Ich gucke, staune, fotografiere, koche mir ein Süppchen und beschließe nach drei Wochen ohne vernüftiges Brot selbst eins zu backen. Backen mit Meerblick sozusagen. Vorsorglich hatte ich eine Mischung und meinen fantastischen Omnia-Ofen mitgenommen. Und nun gibts Wunder Brøt mit Nüssen. Hat prima geklappt.
Der letzte Strand heißt Seilebost und steht seinen Nachbarn an Schönheit in nichts nach. Blöd nur – oder von Vorteil – dass es hier kaum Strandparkplätze gibt. Alles kann man von der Straße aus sehen, aber gerade mit dem Camper wird ein Hinunterfahren oder gar unten Parken schwierig. Auch an der Straße gibt es nur begrenzte Stellplätze. Also genieße ich den Blick von oben.
Und weil alles immer noch ein bisschen perfekter geht, wünschte ich mir beim letzten Bild nun vielleicht doch noch ein bisschen Zeichnung in den Wolken. Mehr Gischt sähe sicher auch gut aus. Ist aber heute nicht, doch wozu gibts KI? Da spielt man ein bissel rum und zack – perfekt!
Welches wäre euer Favotit? Wasser blauer, Strand leuchtender, Wolken dramatischer, Gischt ohne Ende… Aber so wars halt nicht, so habe ich es nicht erlebt. Deshalb hab ich meins lieber . Aber soll man die Möglichkeiten nutzen, um seine Vorstellungen direkt umzusetzen oder ist das nix wert? Verlieren Fotografien an Bedeutung, wenn man vielleicht noch nicht einmal da gewesen sein muss, um ein Bild zu erstellen? Spannendes Thema? Findet ihr nicht auch? Das was ihr in meinen Posts seht, sind, wenn nicht anders verzeichnet, Bilder von meinem iPhone und mir. Allerdings meistens nicht „out off the box“ sondern mit der Fotos-Bildbearbeitung aufgehübscht, um das Gefühl, den Eindruck, den ich in dem Moment hatte, auch übermitteln zu können. Das, so denke ich, ist legitim.
Morgen verlassen wir die Hebriden in Richtung schottisches Festland – nächster Stopp Ullapool. Da mache ich doch am Hafen von Tarbert den Dicken nochmal frisch und begebe mich langsam auf Nachtlagersuche. An der Straße nach Huisinis sind davon mehrere verzeichnet, sie ist als Scenic Route ausgezeichnet und es gibt die Möglichkeit einer kleinen Abendwanderung zu einem Adler-Observatorium.
Von Scenic ist wegen des Nebels erst einmal nicht viel zusehen, nur die Reste der alten Walfangstation am Loch Bun Amhainn Eaddara. Der lange Schlot ist übrig geblieben und dahinter am Hang moderne Architektur im Einklang mit der Natur. Das hab ich hier schon mehrfach gesehen und finde es zumindest interessant. Gern würde ich mal in so ein Haus hineinschauen. Daneben noch ein bisschen mehr hebridische Architekturgeschichte, fehlt nur noch ein Blackhouse.
Zum Eagle-Observatory müssen wir über einen Hügel durch die Wolken fahren und drüben wieder hinab, aber am Wanderparkplatz klärt es schon wieder auf. Also laufen wir los in das wunderschöne Glean Mhiabhaig. Gleich am Eingang wurden viele Bäume angepflanzt. Ob das gelingt, das ist die große Frage. Hier in der Schlucht am Loch Scourst lebt eine Steinadlerpopulation, die man mit etwas Glück beobachten kann. Adler sehen wir keine, aber am Boden gibt es auch etwas Besonderes zu entdecken. Im Gras wachsen nämlich fleischfressende Pflanzen!! Wuaaoooo. Den „gemeingefährlichen Sonnentau“ haben wir entdeckt. Bei all den Midges in seiner Portionsgröße hat der wahrscheinlich auch bald Übergewicht. Reste von ihnen hat er noch an den „Zähnen“ kleben.
Nach einem wunderbar verpieselten, grauen, abwechslungsreichen und stimmungsvollen Tag verkriechen wir uns im Womo und sind gespannt auf die nächsten Abenteuer. Führe ich die Straße weiter, gäbe es noch ein kleines Castle, tolle Natur und wildromantische Strände am Ende. Aber unsere Zeit auf den Hebriden geht zuende. Es war eine abwechslungsreiche Woche, gefüllt mit vielen neuen Eindrücken, netten Menschen und traumhafter Natur. Die Möglichkeit, in der Hochsaison so viele ruhige Ecken zu finden, viele vorbereitete freie Stellplätze (Campingspots) für eine Spende oder for free angeboten zu bekommen, habe ich sehr genossen. Schlussendlich bin ich sehr froh, meine 9 Tage nur für die nördlichen Inseln genutzt zu haben. Selbst hier konnte ich noch nicht alles entdecken, was dieses wunderbare Archipel für den interessierten Besucher bereithält. Es war eine fantastische Zeit.
Herzlichen Dank Na h-Eileanan Siar
Liebe Grüße in die Heimat.







































Liebe Marion,
traumhafte Fotos und Eindrücke 😍!
Das hätte mir auch gefallen.
Schön das Du ab und zu die Bremse reinhaust😉!
Weiterhin einen schönen Urlaub!
Liebe Grüße von Deinen Nachbarn 🤗
Danke, liebe Doreen. Es war wirklich wunderschön da 🥰 Gerade sitzen wir in der Hunde-Lounge der Fähre und die Hebriden verschwinden am Horizont ❤️
Liebe Grüße
Liebe Marion,
haben dich die Austernfischer nicht im Sturzflug und mit lautem Geschrei angegriffen?
Das kenne ich noch von Spaziergängen am Deich in meiner Zeit an der deutschen Nordseeküste. Da haben sie uns fast in den Kopf gepickt, wenn wir ihren Nestern zu nah kamen.
Es war toll dich bis jetzt in dieses entlegene Fleckchen Erde zu begleiten. Nun freue ich mich schon aufs schottische Festland.
Passt schön auf auf euch!
Liebe Grüße aus der Bretagne!
Ruth und Lotte
Ja, liebe Ruth, bei den Austernfischern bekommt man wirklich Angst, dass die dich mit ihrem roten Schnabel durchbohren wollen. Aber alles gut, wir haben ihnen getrotzt 👍
Liebste Marion, ich bin großer Fan deiner (!) Bilder und Erzählungen. Du brauchst definitiv keine KI!!! Es ist so schön, täglich mit dir ein bisschen mitzureisen… Einfach mal ein dickes Dankeschön!
Liebe Grüße aus der Heimat von Netti
Liebe Netti, das freut mich!! Ich finde echte Bilder auch schöner, weil sie im Idealfall die Stimmung einfangen, die man erlebt und die ist ja auch nicht immer perfekt. Mir macht es große Freude das zu versuchen und deshalb ist es umso schöner, wenn es euch gefällt 😘 Sei lieb umarmt und ich hoffe, ihr habt besseres Wetter zuhause 😆