Wir verlassen Stjórnavágr, wie Stornoway von den Wikingern genannt wurde. Schon sie hatten die besondere Lage des Ortes für sich genutzt und gingen hier vor Anker. Heute leben im Hauptort der Hebriden fast 6000 Menschen , was fast die Hälfte alle Einwohner der Inseln darstellt. Mit ihrem etwas rauen Charme und zum Teil maroden Gebäuden hat sie mein Herz nicht im Sturm erobert, aber die kleinen, manchmal bunt bemalten Häuschen sehen schon hübsch aus.
Aber den Stadtbummel hatten wir gestern und so setzen wir die Segel gehen ganz gezielt beim Discouter vor Anker. Da ist es voll. Und nicht nur da. Alle Parkplätze der Stadt sind besetzt, auf meinen haben sich gleich drei beworben. Alle Straßen sind verstopft und es rollen noch mehr Besucher an. Wie muss das für die Bewohner sein. Außerhalb der saison ist hier sich nichts los…
Mit vollem Kühlschrank fahre ich noch beim örtlichen Campingplatz vorbei und auch da bietet sich das gleiche Bild: Trotz Zusatzwiese ist hier fast alles ausgebucht. Aber ich will ja nicht übernachten. Für 5 Pfund kann ich den Dicken frisch machen und der freundliche Platzwart erklärt mir trotz des Stresses alles geduldig, zeigt den Weg zum Frischwasser und meint, ich könne gern wiederkommen. Gute Idee, vielleicht vor der Fähre.
Dann rollen wir in Gegenrichtung des Staus davon und wünschen allen ein wunderbares HebCelt – ich hatte meinen Spaß und höre gerade meine neue Spotify-Playlist. Gleich nach Stornoway fahre ich in Richtung Norden durch gleichbleibende Landschaft. Hochmoorartig sieht das hier aus und dazwischen ab und zu einsame Crofter-Häuschen im tristen grünlich-grau. Ich liebe ja die Einsamkeit, aber hier wäre es mir vielleicht doch ein bisschen zu trostlos.
45 km weiter nördlich ist das „Dicke Ende“ erreicht – der „Butt of Lewis“, was man auch mit „Hintern von Lewis“ oder bei Bedarf „Arsch der Welt“ übersetzen könnte. Ich verpasse kurz vor dem Ziel aber einen Abzweig und fahre geradeaus weiter nach Port Ness. Das erweist sich als Glücksfall, denn hier scheint jemand am Hafen extra für mich eine Stellfläche betoniert zu haben – absolut gerade und mit Meerblick. Auch wenn ich sonst Beton in der Landschaft eher nicht bevorzuge – hier ist das einfach sehr praktisch und so haben wir ohne viele Sucherei den perfekten Stellplatz für die Nacht.
Unten am Strand sind vereinzelte Wanderer, Hundebesitzer und Badende, ansonsten ist in Port Ness nix los. Nach einem vorzüglichen (Nach)Mittagsmahl schnüre ich meine Wanderschuhe und wir machen uns auf den Weg zum wirklichen Butt of Lewis – immer an den Steilklippen entlang über Schafwiesen und Moorflächen. Es hat sich zugezogen und eine leichter Wind weht, wahrscheinlich das typischer Wetter für diesen Ort. Trotzdem ist das hier wunderschön und nach dem Trubel eine wunderbare Ruhe.
Nach einer guten Nacht besuchen wir morgens natürlich auch noch den Strand zu unseren Füßen. Nach baden ist mir allerdings heute nicht. Die Temperaturen sind merklich abgekühlt und es nieselt. Auch Luna tippt heute nur die Pfötchen ins Wasser. Viel interessanter sind die Möven. Was denen einfällt, da einfach zu nisten??
Geldstücke in Felsen zu stecken scheint hier Glück zu bringen und manche von ihnen scheinen schon fast mit dem Gestein verwachsen zu sein. Auf unserem Weg begegnen wir keinem Menschen und trotz der Tatsache hier am „Arsch der Welt“ zu sein, gibt es hier tatsächlich das beste Netz der bisherigen Reise. So locker wie man Bilder hochladen kann, ist das Blogschreiben ein wahres Vergnügen, dass ich nun auch gleich noch nutze, mit Kaffee und Ausblick, einem mit sich und der Welt völlig zufriedenem Hundetier und einem Plan für den Tag: Mein Reiseführer verspricht eine Fülle an Sehenswürdigkeiten an der Westküste. Da wollen wir doch mal schauen.Vielleicht ist heute nicht so viel los, weil alle beim HebCelt Tag 3 feiern. Also Westküste – wir kommen.
















Einfach toll wie du immer schreibst liebe Marion.Da ist man selbst mit dabei und ich freue mich immer täglich auf deinen Bericht. LG.Sylvia
Herrlich, Liebes…. Ich wusste wirklich nicht, wie schön es am A…. der Welt sein kann. Danke dafür. Vor allem auch die Bilder von Lunchen sind immer so süß. Dieser (etwas empörte) Blick zu den brütenden Möwen oder wie sie tiefenentspannt im Womo schläft… 😍 Ich wünsche euch weiterhin viele Tage mit etwas menschenleereren Gegenden. Einfach durchatmen, den Blick einfangen, genießen und entspannen… Seid lieb gedrückt/ geknuddelt von mir.
PS.: Tolle Vegetation übrigens! Sogar wilde Orchideen wachsen dort (dieses hier müsste das gefleckte Knabenkraut sein…)
Danke, liebe Netti, das werden wir. Orchideen wachsen hier überall auf den Machairwiesen und ich bin ganz hin und weg. Ich hoffe, du hast deinen Geburtstag gut verbracht uns sende ganz liebe Grüße
Liebe Sylvia, schon, dass ich dir den Tag versüßen kann 😊 Geb mir Mühe, es täglich zu schaffen, aber nicht immer spielt das Netz mit. Viele Grüße aus dem schönen Schottland 🙋🏼🐶🏴
….beim Anblick von Lunchen auf dem Rücken liegend musste ich an einen alten Spruch früher um Hundeverein denken: „Mädchen von St. Pauli…“. Oh nee, me too!
Aber strömt ein so gechillter Hund nicht einfach einen unglaublichen Frieden aus?
I love it!
Ach schön alles, was du da so schreibst und zeigst.
Liebe Grüße, Ruth
Oh ja, das sieht schon sehr lasziv aus, aber für mich ist das auch eine Beruhigung und die Sicherheit: meiner Hundedame gehts gut ☺️