#HebCelt2026

Am Abend laufen wir noch einmal hoch auf die Dünen und verabschieden uns von unserem Strand im Sonnenuntergang. Gus aus Nottingham – „You know: the Nottingham forest, Robin Hood? – ist gerade mit Frau und drei Labradoren angekommen und läuft mit mir den Hügel hinauf. Er ist Maurer und hat auch schon in Deutschland gearbeitet. In den Dünen haben Biker ihre Zelt aufgeschlagen und ich bin kein bisschen neidisch, denn im Womo kann ich mich vor den Midges, die sich hier abends ein Stelldichein geben, besser schützen. Die Kaninchen sind aus ihren Höhlen gekommen und flitzen durch das hohe Dünengras und ich bin froh, das mein Lunchen friedlich im Dicken schläft und nicht noch eine abendliche Jagdrunde einlegt.

Heut Nacht haben waren nur drei Camper da und der erste startet gegen 06:00 Uhr. Weil ich nun eh wach bin, mache ich 20 Minuten später auch los und kann den frühen Morgen auf der Fahrt nach Stornoway genießen. Kaum ein Fahrzeug ist unterwegs, am Straßenrand stehen die Vans an ihren Schlafplätzen mit Ausblick und ab und zu halte ich an und genieße. Gegenlicht ist zwar nicht die Kernkompetenz meines iPhones, aber trotzdem hier mal ein paar Eindrücke von Harris am Morgen.

Bald zieht Nebel über den Lochs und vom Meer herein und in den Gräser glitzern millionenfache Tautropfen. Das ist eine wunderschöne Atmosphäre, aber ich weiß auch, wie selten man dieses Wetter auf den Hebriden hat. Rau, stürmisch und kalt kann es hier sein und ich habe solch ein Glück, genau jetzt hier zu sein, in diesen fantastischen Sommerwochen, über die sich sogar die Einheimischen wundern. Gestern war die Landschaftsfotografin Margaret Soraya am Strand und parkte neben mir. Heute schreibt sie auf Instagram…

Ihre Galerie möchte ich gern noch besuchen, doch für die „Golden Road“ – die noch schmalere Küstenstraße im Osten –  habe ich heute keine Zeit, denn das HebCelt ruft und da gibt es noch Einiges zu klären. Zunächst mal der Stellplatz. Eigentlich will ich im Hafen stehen, da ist auch noch was frei, aber im Vorbeifahren hatte ich am Straßenrand, direkt neben dem Castle-Park, in dem das Festival stattfindet, einen Van stehen sehen und bekomme tatsächlich noch einen Platz. Das ist heute Abend im Schatten und wesentlich näher dran. Einziger Minuspunkt: direkt an der Straße. Naja, man kann nicht alles haben, also wird erst einmal gefrühstückt. Dann schlendern wir durchs Haupttor und drehen unsere Runde im Park. Lew Castle thront über dem Ort und ist heute ein Hotel. Gleich nebenan befindet sich ein kleines Museum und auf der Wiese davor werden die letzen Vorbereitungen für den ersten Festivalabend getroffen.

©HebCelt Instagram

Im Museum gibt es die Lewis Chessmen zu bewundern, aber was ich zuerst bewundere ist der dahinterliegende Parkplatz. Keine 200m vom Festivalgelände entfernt, kostenlos und ein Womo steht auch schon da, heißt: ich kann den Weg hierher auch befahren. Nie hätte ich gedacht, dass man durch den Schlosspark fahren kann. Nur übernachten soll man hier nicht. Also schnell zurück und den Dicken umgeparkt. Einfach wunderbar, da kann ich sogar zwischendurch mal nach Luna sehen.

links Museum - Mitte Castle - rechts Festival

Dass es so gut läuft, freut mich sehr und nun kann ich sogar entspannt ins kostenlose Museum. Die Schachfiguren sind etwas sehr Besonderes. 1831 wurden sie in den Sanddünen der Westküste der Insel Lewis entdeckt. 93 von ihnen waren dort in einer kleinen Kiste versteckt und niemand weiß bis heute, warum sie dort lagen. Hergestellt wurden sie von verschiedenen Künstlern in Norwegen aus Walknochen und Walrosselfenbein und sind zwischen 1150 und 1200 entstanden. In dieser Zeit gehörten die Hebriden noch zum norwegischen Herrschaftsbereich und besonders beeindruckend ist die Darstellung der Figuren. Detailreich und individuell erscheinen sie wie einzelne Portraits spezieller Charaktere.

93 Objekte wurden gefunden, neben 78 Schachfiguren auch Spielsteine für Tables, einem Vorläufer von Backgammon. Sechs Originale sind hier zu sehen. Den Rest zeigt das British Museum in London und das National Museum of Scotland in Edinburgh. Das Museum erzählt auch die Geschichte des Lebens, des Handels  auf den Hebriden und den Theorien zu den Figuren. Auch ein kleine Café ist angeschlossen. 

Im Museum finde ich auch ein Brautkleid aus Tweed, dem typischen Material der Hebriden. Ein örtliche Designerin hat es für eine gälische Sängerin entworfen und geschneidert, die es 2009 zu ihrer Hochzeit trug.

Uns aber zieht es nach draußen und so wandern wir erst einmal durch den weitläufigen Park bis hoch zum Aussichtspunkt. Im Hafen liegt ein großes Kreuzfahrtschiff und gleich lernen wir auch zwei der über Tausend Passagiere kennen, ein Pärchen aus den USA. Nächster Stopp ist für sie Belfast. Na ja und wie jedesmal ist Luna Zentrum der Konversation. Meine Sätze zu ihr kann ich schon so einigermaßen runterspulen, dass ich gefragt werde, ob ich aus der Region hier sei… Äh…Nö… das was ich da Unverständliches spreche ist kein Gälisch, sondern schlechtes Englisch 😜

Weiter gehts ins Stadtzentrum und da ist heute ganz schön was los. BBC-Radio berichtet live vom Festival, in der Stadt gibt es überall Konzerte, in der Fußgängerzone tanzen die kleinen Mädels. Da komm ich allerdings mit Luna nicht so nah ran, weil ich mit dem Hundetier die großen Massenansammlungen meide und sie bei jedem Applaus sowieso Reißaus nimmt, sodass ich mal wieder ein Bild klauen muss. Hoffe, das HebCelt sieht es als Werbung.

In der Vistor Information besorge ich mir noch ein Programmheft und bekomme einen Mittagstipp: „Becket and sons“ – hundefreundlich und lecker!! Hunde sind hier sowieso immer willkommen, ob am Strand, im Cafe und selbst im Handyladen, in dem ich mir ein neues Sicherheitsglas fürs iPhone besorgen musste, weil mir das Teil mal wieder runtergefallen ist, wird Luna mit einem Leckerli begrüßt. „Look at this – France!“ Also laufen wir zur Becket-Family und werden nicht enttäuscht. Und wer mal in der Gegend ist und Lust auf einen Zuckerschock hat: Hebridean Bakehouse ist meine Empfehlung. Was wie ein klassischer Scone aussieht, entpuppt sich als extrem leckere aber kalorienschwere Schmackatelle.

Gut gestärkt mache ich mich auf den Weg zum  Festivalgelände und kann mir, weil ich pünktlich bin, alles erst einmal in Ruhe ansehen. Die Leute trudeln nacheinander ein und man merkt wirklich: das ist ein Festival für die ganze Familie. Für Kinder gibt es Spielplätze, Vorstellungen, Bastelecken und auch die Erwachsenen lassen es sich gut gehen. Teenager haben sich fein rausgeputzt und nutzen die Flirtgelegenheiten und alte Folkies freuen sich auf die Musik.

In zwei Zelten treten wechselseitig die Bands auf und vier von fünf habe ich mir angeschaut. Die keltische Musik geht ins Blut und die Beine. Pur, gemischt mit Rock oder Pop kann sie ihre verschiedenen Facetten entfalten und begeistert das Publikum. Amtssprache unter den Teilnehmenden ist meist Gälisch und auch, wenn ich nichts verstehe, lasse ich mich gern mitreißen.

FARA

Peatbog faeries

Beinn Lee

Mànran

Was für ein Abend! Beeindruckend, wie die eigene Folklore hier gelebt wird, dazu getanzt, gefeiert, gelacht, mitgesungen wird. Ganz beschwingt gehe ich zum Camper zurück und begrüße mein schlaftrunkenes Lunchen. Weil so viel Polizei und Security unterwegs sind, will ich mal nicht gegen die Übernachtungsregel verstoßen und fahre noch die 5 Minuten runter zum Hafen und wir verbringen dort nach einem fantastischen Abend eine ruhige Nacht. Nach einem Morgenspaziergang durch die fast noch schlafende Stadt und gutem Frühstück setze ich mich an diesen Blog und während ich das so schreibe, reißt schon wieder der Himmel auf. Heute morgen war zu ersten Mal wie angesagt geschlossene Wolkendecke, doch die Sonne meint es gut mit uns. Mit ein paar Stornoway Impressionen verabschiede ich mich in den Tag. Heute ist Großreinigung und Einkauf angesagt. Mal schauen, wo ich den Dicken mal wieder flott kriegen kann.

Liebe Grüße von den Hebriden sendet euch die beseelte Urlauberin. Kommt gut durch den Tag.

4 Kommentare zu „#HebCelt2026“

  1. Hallo Marion, da hattest du ja einen tollen Tag, die Musik reißt einen direkt mit, ganz toll. Manchmal fügt sich alles von alleine. Viel Spaß weiter. Liebe Grüße Kordula

  2. Du schreibst so interessant, man möchte immer weiterlesen, liebe Marion, und du bringst einem alles mit deinen tollen Fotos so nah, dass man mitreisen möchte,
    aber dein treues Lunchen ist ja bei dir!!
    Ich hoffe, das Wetter bleibt so gut, du wirst uns egal, wie‘s weitergeht, noch viel Schönes der Hebriden näherbringen!
    Ich freue mich darauf, passt auf euch auf, deine Bretagnemamie

  3. Das freut mich sehr und ich gebe mir die größte Mühe 😊 Schön, dass es dir gefällt und mal sehen, was uns als nächstes begegnet 🙋🏼🐶🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿

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