Der Plan

Ganz gemütlich soll der heutige Tag werden. Noch wenige Kilometer bis Oban, dann nochmal volltanken und Lebensmittel auffüllen und den Nachmittag an unserem Strand in Oban verbringen, an dem ich vor einigen Jahren schon einmal übernachtet habe. Dann morgen die Fähre nach Barra und 9 entspannte Tage auf den Hebriden verbringen. So der Plan…

Es ist frisch und wir fahren am Loch Lomond entlang hinauf zum Loch Long. Dort mache ich eine Pause, uns ist nach einer kleinen Wanderung. Luna nimmt an den zahlreichen kleinen Wasserfällen entlang des Weges ihre Morgendusche und ich genieße das Laufen durch schattige Wälder. Nett hier.

Den nächsten Stopp machen wir am „Rest and be thankful Viewpoint“. Wunderschön ist der Blick ins Tal und auf den Loch Restil. Ein Pärchen verspeist gemütlich seine Brotzeit und was hier so wunderbar idyllisch anmutet, ist nichts weiter als der richtige Bildausschnitt. Vor Ort ist nämlich ganz schön was los, weil ein cleverer Schotte am Viewpoint einen Bistrowagen aufgestellt hat.

Also weiter gehts über Inverary zum Loch Awe. Beides kenn ich schon, aber Kilchurn Castle ist so ein Hingucker, das kann ich nicht links liegenlassen. Ich finde den direkten Besuch der Ruine vom großen Parkplatz aus nur halb so schön, wie den Blick von der anderen Seite des Sees. Mit weißen Sneakern, die einige der Besucher auf dem kleinen Parkplatz tragen, wird das allerdings nichts, denn der Weg zum Wasser führt über sumpfige Wiesen. Auch meine Schuhe sind hinterher schlammig nass. Der Vorteil: man ist am Ufer unter sich.

Am liebsten sitze ich in einem kleinen, von alten Felsteinmauern umgebenen Wäldchen und genieße die Schönheit. Zwei Hochlandrindern scheint es ebenso zu gehen, nur Lunchen kann sich wegen der vielen Schafe so überhaupt nicht konzentrieren.

Und dann sind da noch die fantastisch frischen Kuhfladen. Einmal weggeguckt und das ganze Hundetier hat sich darin genüsslich gewälzt… NICHT DEIN ERNST! Da hilft nichts: ab in die Wanne!

Gegen 16:00 kommen wir am Strand von Oban an und müssen ziemlich lange warten, bis ein Parklücke frei ist. Hier tobt der Strandbär, aber ich bleibe entspannt, denn unsere Zeit kommt, wenn alle weg sind. Also mache ich mir einen Mittagssalat und beobachte aus meinem Schattenwomo die Badenden.

Wieviele Fähren muss man eigentlich zwischen den einzelnen Inseln der Äußeren Hebriden nehmen? Im Reiseführer stand, dass die mehrmals am Tag fahren und es kein Problem sei, eine zu kriegen. Es sind zwei. Auf der Karte kann man es schön erkennen: Ich starte ganz unten von Oban und lande zuerst auf Barra, setze dann über nach South Uist, brauche dann noch eine Fähre nach Harris und kann dann am 23. Juli wieder hinüber zu Festland nach Ullapool. Anfangs hatte ich unüberlegt eine Fähre von Uig auf Skye nach Tarbert gebucht. Da ich aber den ganzen Süden nicht verpassen wollte, entschied ich mich um. So der Plan…

Na dann schauen wir doch mal, ob ich vielleicht meine beiden Inselfähren doch schon vorab online buchen kann. Und das ist der Zeitpunkt für einen Tusch oder Trommelwirbel oder diese abfallende Melodie, wenn etwas sowas von garnicht klappt: Tatata dum! Alle Fähren sind ausgebucht. Die nächste Möglichkeit für Fähre Nr. 1 ist Samstag und Fähre Nr.2 so spät, dass ich meine Festlandsfähre nicht kriege. W A S  I S T  D E N N  D A S??? Ich dachte wirklich, das sei so wie in Norwegen: Ran an den Pier, aufladen, bezahlen, los… Und nun??? Ich merke, wie ich unruhig und ziemlich ärgerlich werde. An alles habe ich gedacht, wieso habe ich mich darüber nicht genauer informiert??? 

Aber halt: Ich hatte doch noch das Ticket von Uig? Das konnte man nämlich nicht stornieren. Genau! Da sehe ich zwar den Süden nicht und komme in Tarbert an, aber wenigstens klappt die Rücktour. Einziger Haken: Das sieht zwar auf der Karte gar nicht so weit aus, aber landwärst macht es 270km und bei dieser Fjordlandschaft und alles Landstraße sind das mehr als 4 Stunden Extrafahrt und es ist schon Fünf. Boah, Alter!!! Eigentlich wollten wir an den Strand. So der Plan… 

Und eigentlich habe ich doch an alles gedacht – aber eben nur fast! Ich versuche meinen Unmut in seine Grenzen zu verweisen und mache mich auf den Weg und der wird im herrlichsten Abendlicht dann doch gar nicht so schlecht. Vorbei an Fort William, glitzernden Lochs durch herrlich grüne Glens genieße ich die Fahrt und Luna scheint sich einfach nur zu ergeben. Die hätte auch eher ne Abendrunde am Wasser verdient. Für Fotostopps bleibt nicht viel Zeit, aber diese Schönheit hat eine halbe Stunde verdient. Da war ich vor genau 10 Jahren schon einmal, was ihr hier nachlesen könnt.

Dass ich über die Isle of Skye so hinwegbrettern muss, tut mir in der Seele leid. Da hätte ich mir mehr Zeit genommen, wenn ich nicht diese dusselige Idee mit Oban gehabt hätte. Ein paar Bilder im Abendlicht werden es noch, aber einen besseren Eindruck bekommt man hier:

Gegen 23:00 Uhr landen wir im Hafen von Uig und übernachten auf dem dortigen Parkplatz wunderbar ruhig, nachts ist hier kein Fährbetrieb und vergleichsweise komfortable. Gegenüber sitzen zwei ältere Leute in ihrem PKW und schlafen im Sitzen mit aufblasbaren Nackenkissen.

Auf der Überfahrt am nächsten Morgen springen Delfine in der Heckwelle unserer Fähre, aber leider nur kurz und als ich mein Handy draußen hab, sind sie schon wieder verschwunden. Laut Anzeigetafel im Schiff, gibt es hier ne Mnge Meeressäuger. Luna darf dieses Mal im Womo alleine schlafen, denn ich will was von der Umgebung sehen und… leiste mir ein Traditional Scottish Breakfast.

Auf der Insel besorge ich mir noch ein bissl Bargeld – nur für den Fall und dann zum Luskentyre Beach. Den hatte ich mir vorher schon auserkoren, wie immer einige andere Urlauber auch. Und wie meistens haben wir Glück und einer verlässt gerade das „Schlachtfeld“. Mit Kasse des Vertrauens (Bargeld!) kann man hier für 10 Pfund nachts stehen. Das Geld dient dem Naturschutz und `ne Toilette gibts auch – grandios. 

Jetzt machen wir erst einmal Pause nach all der Aufregung. Raus und eine lange Wanderung am fantastischen weißen Strand. Netz gibts nur dort und so werde ich später noch einmal mit meinem Liegestuhl ans Wasser gehen, mir den Sonnenuntergang anschauen und diesen Beitrag hochladen. Aber Vorsicht, ich mach mal lieber keinen offiziellen Plan… der könnte schiefgehen.

Kommt gut durch die Nacht.

6 Kommentare zu „Der Plan“

  1. Liebe Marion!

    Alles hat seinen Sinn im Leben…und wahrscheinlich hatte da jemand eine Auge auf dich und hat dich die Fähren eben nicht vorher buchen lassen. Nicht mehr drüber nachdenken, grübeln oder gar ärgern.
    Der Strand ist ja unbeschreiblich schön, mir fehlen die Worte ….
    Stay safe und fühl dich umarmt!
    Cuddles for Lunchen!

    Liebe Grüße, Ruth

    Fertsch!

    1. 😂 genau fix und fertsch. Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich hab’s auch geschafft, den Ärger zu verdauen und sehe es als Chance, denn nun muss ich nicht mehr so weit fahren und kann auf den Hebriden das Tempo rausnehmen. Außerdem war der gestrige Abend wunderschön, denn im Abendlicht durch die schottische Highlands zu fahren, ist einfach nur ein Traum.
      Liebe Grüße an die Frauenrunde in Medroux

  2. Liebe Marion, manchmal läuft das mit dem Plan eben schief, aber die Lösung ist doch sicher ganz gut. Die Bilder sind phantastisch und deine Reisebeschreibungen wie immer sehr interessant. Viel Spaß auf den Hybriden. Liebe Grüße Kordula

    1. ja, liebe Kordula, da hast du wohl recht. Pläne kann man zwar machen, aber das Schöne sind oft auch die Überraschungen. Das hab ich zwar gestern Abend nicht ganz so gesehen, aber heute sieht das schon ganz anders aus. Hier am herrlichsten Strand der ganzen Hebriden. 😊☀️

    2. Liebes, du planst immer alle deine Reisen so gut. Da kann auch mal was durcheinander geraten. Du hast das Beste daraus gemacht. Ihr seid gesund, weiterhin voller Abenteuerlust und dazu an einem so wunderschönen Ort. Genießt die Zeit und fühlt euch lieb gedrückt/ geknuddelt….

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