Hundsrosentee

Heute schlafen wir mal aus und genießen die Ruhe am Wald. Ein Lüftchen weht, die Temperaturen haben sich abgekühlt. Zum Glück! Lunchen stromert entspannt durch den Wald und 5km nach dem Start legen wir gleich noch einen Zwischenstopp am beschaulichen Flüsschen Eden ein. Im wahrsten Sinne paradiesische ist diese kleine Wanderrunde unter alten Bäumen.

Nun aber los nach „Alba“, doch schon wenige Kilometer weiter werden wir durch die hier ausgebremst – insgesamt sind das bestimmt 40 Stück. Trekkerfans gibts halt überall und ich lass die mal vor.

Gegen Mittag erreichen wir nach ca. 1700km bei Gretna Green Schottland und es dauert nicht lange bis die Landschaft sich ändert. Gleich neben der Autobahn die beschaulichen, sanften grünen Hügel. Ich freue mich, dass ich die Strecke einteilen konnte und schon einige schöne Orte besucht habe, doch nun ist es auch schön hier zu sein… obwohl: noch nicht ganz. 

Erst einmal müssen wir Glasgow noch wuppen. Soll ja innen ganz schön sein – aber von außen bekommt man nicht viel Lust, alles sehr industriell. Hinter dem Flughafen gehts auf der Erskine Bridge über die Mündung des River Clyde, der hier in den Firth of Clyde – also eine Art Fjord – mündet. Jetzt ne Pause am Fluss wäre nicht schlecht und bei einem Tankstopp finde ich in der App tatsächlich einen Platz direkt unter dem Dumbarton Castle..

© richard johnson

Leider nicht mein Foto – Danke Richard Johnson . Wir ergattern mit ein bisschen Warten eine wunderschöne Stelle, gleich da unten rechts neben dem dreieckigen Haus,  nur leider ist der Papierkorb nebenan übervoll und alles liegt ringsumher. Das ist mir zu dreckig aber an einer Tafel hängen Müllsammelsticks, Beutel hab ich ja, also erstmal Ordnung gemacht, alles schön verknotet und danebengestellt. Perfekt!!

Das Castle über uns thront auf einem 74m hohen, riesigen Doppelfelsen, der sich inmitten der Landschaft erhebt. Der Legende nach ließ König Arthur den Zauberer Merlin dieses Felsmassiv zum Schutz der Burg aus dem Meer ziehen. Schwupp: Felsen aus dem Meer – Burg drauf –  und fertig war die fantastische und strategisch wichtige Position. Das fanden auch seit dem 5. Jahrhundert die Könige der Gegend, die sich Strathclyde nennt und ließen sich hier nieder. Die Burg war Bollwerk gegen die Wikinger, beherbergte 1548 die junge Maria Stuart bevor sie ins Exil nach Frankreich geschickt wurde und diente später als Garnision. Die angeblich 557 Stufen, die zwischen den Buckeln hinaufführen, können wir heute nicht mehr erklimmen, denn das Burgtor ist schon zu. So genießen wir den Blick über den Clyde hin zur Brücke, über die wir gekommen sind. Allerdings bei Ebbe und viel Modder.

Wir wandern ein bisschen am Clyde entlang und ich entdecke mit Freuden wilde Hundsrosen. Da kann man einen fermentierten Tee draus machen und weil ich eh grad Zeit hab, lege ich los. Luna schnüffelt am Clyde-Ufer im Ebbeschlick und so folgt jeder seiner Passion.

Zurück am Dicken sehe ich, dass das Mülleimerchaos zurückgekehrt ist und die Täter noch nicht einmal den Tatort verlassen haben: Möwen und Krähen streiten sich um den Inhalt meiner Tüte und zerlegen sie mit viel Geschick in ihre Einzelteile. Da hilft dann wohl nur noch die Stadtreinigung.

Ich lege derweil meine Beute zum Anwelken und zum beiläufigen Beduften des Womos für ein paar Stunden aus. Auch kleine Käferchen dürfen noch das Weite suchen bevor die Blätter geknetet und in ein Glas gestopft werden müssen. Dort fermentieren sie so 2 Tage vor sich hin und werden dann getrocknet. Der Tee soll sehr weich und leicht fruchtig schmecken. Erster Versuch – schauen wir mal…

Gegen Abend brechen wir noch einmal zu einer kleinen Runde am Clyde auf. Wer hier wohl alles schon entlang gefahren ist? Wikinger, Könige, Soldaten und nicht zuletzt große Ozeandampfer, wie die RMS Queen Mary, die auf dem Clyde ihre Probefahrt absolvierte. Weiter draußen im Firth of Clyde liegen übrigens die meisten Schiffswracks von Schottland über 283 sollen es sein und damit ist der Fjord ein Eldorado für Wracktaucher.

Ich werde jetzt mal schnell noch das Womo drehen, damit ich auch vom Bett aus den Clyde sehen kann, denn mittlerweile ist auch das Wasser wieder zurück. Vorhin war es auf dem Parkplatz so eng, da konnte ich nicht rückwärts rein. Jetzt machen wir es uns auf der Couch gemütlich, denn draußen ist es mir zu frisch… wer hätte das vorgestern noch gedacht, aber augenscheinlich ist die Wärme wohl jetzt bei euch in Deutschland. 

Kommt gut durch die Nacht.

2 Kommentare zu „Hundsrosentee“

  1. Liebe Marion ,
    Vielen lieben Dank für deinen tollen Reisebericht. Ich freue mich immer über deine Ausführungen und bewundere deinen Mut. Habt weiterhin eine schöne Zeit und ich drücke uns die Daumen, das das Netz hält, damit wir weiterhin an eurer Reise teilnehmen können. Bleibt beide gesund .

    Liebe Grüße von Anke ( aus der Dienstag Yoga Gruppe)

    1. Liebe Anke,
      schön, dass dir mein Tagebuch gefällt und ich euch ein bisschen teilhaben lassen kann. So mutig ist das gar nicht, neben mir stehen oft über 70-Jährige im Wald. Junge Leute waren bisher irgendwie selten? Mal sehen, wie es auf den Hebriden wird…
      Liebe Grüße in die Yogarunde 🙋🏼🐶❤️🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿

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