Auf der kleinen Farm haben wir fantastisch geschlafen und brechen vor dem Frühstück in der kühlen Luft zur ersten Runde über die Wiesen hinauf zum Middleton Top auf. Hier oben steht eine kleines Engine House. Mit dem in den Kesseln produzierten Dampf haben sie Eisenbahnwaggons aus dem Tal hochgezogen… wenn ich das richtig verstehe. Rundherum gibt es eine Menge Steinbrüche und die Steine mussten wohl oder übel bewegt werden.
Neben dem Kesselhaus, das an ausgewählten Wochentagen noch im Schaubetrieb zu besichtigen ist, beginnen zahlreiche Wander- und Fahrradweg. Man kann auf dem hier beginnenden Bridleway 350 Meilen in Richtung Norden laufen, also durch den ganzen Peakdistrict und weiter . Wir erobern nur eine kleine Runde des Middleton Moors und schauen in die schöne Landschaft von der höchsten Erhebung herab.
Zurück auf dem Platz gehts nach Frühstück und Auftanken los, hinunter ins Derwent Valley. Das ist auf einem Abschnitt von 24 km UNESCO Weltkulturerbe, denn hier wurde noch vor der industriellen Revolution Industriegeschichte geschrieben, nämlich die der Textilindustrie. In Cromford werde ich fündig und besuche die Cromford Mill – eine Baumwollspinnerei aus dem 18.Jahrhundert. Das Prädikat „Sehr hundefreundliches Museum“ würde ich dieser Einrichtung ohne Zögern verleihen. Hier dürfen Hunde überall mit rein, sogar zur Führung. Obwohl ich einen Schattenplatz fürs WOMO ergattert habe, lass ich Luna bei den Temperaturen nicht gern drin und so schauen/schnuppern wir uns zuerst gemeinsam den Innenhof an und nehmen dann an einer Führung teil.
1783 hatte es Richard Arkwright geschafft. Ohne eine besondere Schulbildung groß geworden, arbeitete er vorerst als Perückenmacher – die kamen aber gerade so langsam aus der Mode. Deshalb tat er sich mit einem Uhrmacher zusammen und entwickelte nicht nur eine Maschine zum Spinnen von Baumwolle. Arkwright entwarf das Konzept einer ganzen Baumwollspinnerei, in der mehrere Maschinen dieser Art vom Wasser des Derwent aber auch vom umgeleiteten Grundwasser der umliegenden Steinbrüchen betrieben werden konnten. Für letzteres mussten Viadukte gebaut werden und nicht nur dafür brauchte er viel Geld. Mit seinem Projekt überzeugte er und errichtete einen für damalige Verhältnisse riesigen Betrieb – die fünfstöckigen Gebäude waren die „Skyscraper des 18. Jahrhunderts“, das jedenfalls meint der freundliche Guide bei dem ich eine Führung gebucht habe.
In der Austellung kann man ihm sogar „persönlich“ begegnen: Technik macht`s möglich. Und so erzählt er uns gleich selbst, wie das damals so war, in seiner Firma.
Die Innenräume des Betriebs sind nicht mehr erhalten, aber einige Spinnmaschinen kann man sich anschauen. So z.B. die schon 1764 andernorts erfundene „Spinning Jenny“. Sie gilt bis heute als Initialzündung der industriellen Revolution in der der Textilindustrie, weil sie erstmals mehr als eine Spindel hatte. Der Antrieb geschah aber vorerst per Hand (oder Fuß?). Arkwright erfand eine Spinnmaschine mit neuartigem Antrieb durch Wasserkraft, die „Water Frame“ genannt wurde. Baumwolle bezog er kostengünstig aus den Kolonien, Arbeiter, die 6 Tage die Woche je 12 Stunden schufteten und zu denen natürlich auch Kinder zählten, fand er in der Gegend leicht und so dauerte es nicht lange, bis er zum wahrscheinlich reichsten Mann seiner Zeit in Großbritanien wurde. Vier Jahre vor seinem Tod bekam er noch den Titel Sir verliehen und als er starb war er gerade mal so alt wie ich jetzt – 59.
Unser Platz im Schatten ist mehr als Goldknöpfe wert, denn ich habe mich entschieden, heute noch ins Theater zu gehen. Schon bei der Recherche zuhause hatte ich gelesen, dass es hier ein Sommertheater gibt, aber die Punktlandung heute ist echter Zufall: das Amateurtheater „Chatsworth Players“ presents: „Romeo & Juliet“. Na da kann ich doch nicht weiterfahren. Schnell online eine Karte gebucht und einfach den Nachmittag am Dewrent verbummelt und dann mache ich mich 18:30 Uhr mit meinem Liegestuhl wieder auf den 20m „langen“ Weg zum Eingang des Mühlenhofs.
Ja, ich gehe mit meinem Liegestuhl. Denn von weitem habe ich gesehen, dass die meisten Gäste, ihre Campingstühle unter dem Arm tragen und ein Picknickkörbchen. Was für eine wunderschöne Atmosphäre. Am Eingang wird man freundlich begrüßt und braucht nur seinen Namen sagen. „Ach Sie sind die Frau, die heute am Mittag gebucht hat. Oh und aus Deutschland kommen Sie, extra wegen unseres Stücks?“
Was mich erwartet ist ein Amateurtheater vom Feinsten. Natürlich mit viel Kostüm, historischer Inszenierung, reduziertem Bühnenbild und sehr viel Leidenschaft in gemütlicher Runde vorgetragen. Und mit zum Teil großartigen Darstellern. Nun die Tatsache, dass die Schauspieler vor der Aufführung im Kostüm über den Hof spazieren und man Julia in der Pause auf der Toilette trifft, beraubt den Abend für mich ein bisschen der Magie, kratzt an der perfekten Illusion. Das war in unserer Spielleiterausbildung Lektion 1: Niemals im Kostüm als Privatperson ins Publilum… maximal am Schluss. Als Souffleur dienen wahlweise Pater Lorenzo oder Romeos Mutter… da lässt sich doch bestimmt auch eine neutrale Person finden. Aber Schluss mit den Kleinlichkeiten, hier ein paar Charaktere, die mir schnell ans Herz gewachsen sind:
Ist genieße den Abend, sitze neben einem freundlichen Paar, dass mich ausführlich nach meinem Woher und Wohin befragt und schlendere mit meinem Liegestuhl nach fast 2,5 Stunden zurück zum Womo, nicht ohne dass mich der nette Einlass fragt, wie es mir denn gefallen hätte und freudig „Oh, Scottland… I was born in Oban!“ ruft, als ich von meinen Reiseplänen berichte. Am Dicken angekommen begrüßen mich meine Camper-Nachbar mit: „Nun, wie wars?“ und „Hier ist alles in Ordnung.“ Sie standen vorher schon hier und hatten versprochen auf Lunchen und den Dicken mit angekippten Fenstern aufzupassen. So musste ich mir um meine Hundedame abends im schattigen Camper auch keine Gedanken machen. Wir laufen noch eine letzte Gassirunde an der Kirche vorbei – sicher hat die, wie vieles Andere hier auch Mr. bzw. SIR Alkwright spendiert. Was für ein schöner Abend.
Am nächsten Tag geht`s noch vor dem Frühstück und Gassi um 6:00 Uhr los. Es ist Wochenende, warm und ich will Strecke machen. Bis Manchester ist alles super, auch danach läuft es noch ganz gut, doch nach 200km, beim Lake District, wird klar, dass auch noch andere die Idee hatten an den See zu fahren.Und dann hab ich mir auch noch ein Castle am größten und berühmtesten der britischen Seen ausgesucht: Wray Castle am Lake Windermere. Das dies hier das beliebteste und Sommer überlaufendste Urlaubsziel der Briten ist, wird mir erst bewusst, als ich es im Reiseführer lese – leider zu spät. Ich hab mir einfach ein Schloss auf halbem Weg nach Oban ausgesucht, was praktischerweise noch Wasser vor der Tür hat und lande mit traumwandlerischer Sicherheit im wahrscheinlich größten Tourispot der Gegend.
Machen wirs kurz: Obwohl zum National Trust gehörend, ist für mich und andere Camper der Parkplatz nicht erlaubt, weil zu klein, der nahe Wray-Campingplatz voll und die Straßen einspurig. Ganz schöne Grukerei früh um 11:00 und Luna gehts auch nicht so besonders. Gerade hat sie sich zweimal ihres gestrigen Abendessens in Richtung Armaturenbrett entledigt. Echtes Kontrastprogramm zu gestern. Aber wer dreimal Pech hat, müsste doch wenigstens einmal Glück gratis bekommen. Und so ist es: auf dem Plan, den mir die Campingplatzfrau mitgegeben hat, ist ein kostenloser Parkplatz direkt am See eingetragen. Als ich da ankomme ist wohl gerade ein Camper weggefahren. Alles voll, nur dieser eine Platz am Wasser ist noch frei. Nicht ganz so idyllisch, wie ichs gern hätte (viele Leute, etwas dreckig, manche sind laut…), aber ich will hier nur den Tag verbringen und mit Luna am Wasser laufen. Netz gibts zwar nicht, aber tatsächlich bin ich hier nur unter Einheimischen. Wie ich den Platz denn gefunden hätte, fragt mich eine junge Mutter, die neben mir mit ihrer Familie am schmalen Ufer sitzt. Sie kommen aus Manchester und nutzen den Platz gern an warmen Wochenenden. „Zum Schloss? Ja, da gibt es einen Fußweg, immer am Wasser lang. Ist nicht weit.“ Ja manchmal braucht man ein bisschen Geduld, damit das Glück eine Chance bekommt.
Mit dem Blogschreiben wirds leider wieder nix, weder am See noch im Schloss-Café. Netz ist augenscheinlich Mangelware, genau wie WIFI. Aber die Wanderung ist wunderschön und heute sind die Temperaturen auch erträglich.
Gegen Fünf brechen wir auf und wollen noch ein bisschen in Richtung Oban fahren. Ein Platz mit Netz wäre super. Die Suche gestaltet sich etwas schwierig aber nach 2,5 Stunden und dem lange ersehnten kühlenden Gewitter werden wir am Coombs Wood bei Armathwaite fündig. Am Waldesrand mit Hundeweg und Schafwiese, ruhig und mit so einigermaßen stabilem Internet, super! Ein Pärchen aus Wiesbaden steht schon da, aber wir stören ja nicht. So, nun aber… mal schauen, ob der Gott des mobilen Datennetzes heute Abend gute Laune hat.
Drückt die Daumen und kommt gut durch die Nacht.


























Gute Besserung für Lunchen… Und schön, dass du bezüglich eines guten Stellplatzes doch fündig geworden bist… Liebe Grüße aus Coburg, wo es heute auch seeeeehr heiß war…