10 km nördlich von Northampton liegen die kleinen Weiler Great und Little Brington. Beide haben nur wenige Hundert Einwohner. Littel Brington verfügt dazu noch über etwas äußerst Interessantes: einen wunderbaren Übernachtungsplatz. Gleich hinter der Kirche St. John the Baptist und dem dazugehörigen Friedhof. Wir kommen auf Empfehlung meiner park4night-App, aber so traumhaft habe ich es mir wirklich nicht vorgestellt. Der kleine, wilde Friedhof ist im Abendlicht wunderschön und rings umher blühen Wildblumenfelder. Ich gerate sofort in einen Fotorausch im Abendlicht.
Besonders imposant ist die lange Buchenallee, die sich gleich am Ausgang der Kirche befindet. Wir stellen den Dicken ab und durchstreifen erst einmal die Gegend. Ein einziger Genuss für das Auge und die Nase, denn riesige Lindenbäume neben der Kirche erfüllen die Luft mit köstlichem Duft. Wieder sind zahlreiche Hundebesitzer unterwegs und eine Walkinggruppe zapft köstliches Wasser aus dem Hahn neben dem Kirchlein.
Ein kleines Schild weist mich darauf hin: Althorpe-Castle ist nur 15 Minuten Fußweg entfernt. Dahin führt also die herrliche Allee, sie verbindet das Kirchlein mit dem Anwesen der Spencers. Na, klingelts? DIE Spencers!
Über viele Jahrhunderte ist das Dorf mit dem Spencer-Anwesen verbunden, auch heute arbeiten moch einige Bewohner auf dem Gut oder in dessen Forst- und Landwirtschaft. Vor 500 Jahren mit der Schafzucht reich geworden, kaufte Sir John Spencer das Gut Althorp 1508. Seitdem ist es in Familienbesitz.
Im Laufe der Jahre stieg die Familie zum Hochadel auf. Die Stammhalter bekamen Titel, verheirateten sich geschickt mit mächtigen Familien oder wurden zum Ritter geschlagen.
Als der 8. Earl of Spencer 1961 zum dritten Mal vergeblich auf einen männlichen Erben wartete, wurde wieder ein Mädchen geboren. Die Begeisterung hielt sich ob des Geschlechts des Kindes in Grenzen und vielleicht gab man aus diesem Grund erst eine Woche später dem Kind einen Namen: Diana Frances Spencer. Aber wie das Leben so spielt: Ausgerechnet die Tochter, das ungeliebte Kind, das bei seiner Geburt nicht der erhoffte männliche Erbe war, wurde das bekannteste Mitglied der Familie Spencer und eine der berühmtesten Frauen des 20. Jahrhunderts. „Lady Diana: Von der Kindergärtnerin zur Königin der Herzen“ so der NDR – bei dieser Familiengeschichte scheint das wohl eine Untertreibung zu sein. Kindergärtnerin war sie wahrscheinlich nur als Hobby.
Mit 14 zog Diana auf Althorp ein, vorher lebte sie auf einem anderen großen Anwesen der Familie, und schon zwei Jahre später lernte sie ihren „Traumprinzen“ kennen. Dass der sich mit der Zeit entpuppte und auch von ihm nicht viel Liebe zu erwarten war, wusste sie damals sicher nicht.
Für schlappe 32,- Euro darf man Haus und das riesige Anwesen besichtigen und dabei auch Dianas Grab auf einer nicht zugänglichen Insel eines künstlich angelegten Sees von fern in einem weißen Tempel bewundern. Klingt wie eine mehrfache Verschlüsselung – ist es bestimmt auch. Vom ungeliebten Kind zur ungeliebten Frau und mit 36 sterben, da hilft die beste Familienchronik nix. Glück sieht wohl anders aus.
Heute sind 32 Grad angesagt und Hunde sind im Garten nicht zugelassen. Auf unserer Morgenrunde stelle ich fest, dass es auf dem Spencer-Parkplatz keinen Schatten gibt, also fällt das Warten im Womo für Luna weg. Gern hätte ich mir die zahlreichen Kunstwerke im Haus angeschaut, aber da der Preis exakt den zu erwartenden Tagestemperaturen entspricht und damit beide entschieden zu hoch sind, verzichte ich gern auf einen Besuch beim Earl. Da muss der Blick von außen reichen. Und so genieße ich die herrliche Morgenstimmung und Luna den Duft der Rehe.
Wir verziehen uns bei dem Wetter lieber ans Wasser und das noch vor dem Frühstück, denn so romantisch mein Übernachtungsplatz auch sein mag – Schatten gibt es hier nicht. Am Pitsford Water, ca 17 km entfernt allerdings schon. Ab 09:00 Uhr darf man dort parken und wir sind 08:30 Uhr die ersten Besucher. Das wird unser Platz für den Tag. Eat. Read. Sleep. ist das heutige Motto und für mich kommt noch Knit. und für Luna Swim. dazu. Menschen dürfen und wollen bei dem schlammigen Boden nicht ins Wasser, da reicht ein Fußbad. Wandern vergeht einem, sobald man den Schatten verlässt. Da weht dem Willigen ein staubiger Wüstenwind ins Gesicht, der zum Abgewöhnen ist. Also lass ich mich halt mal ausbremsen.
Gegen Fünf, die Hitze ist immer noch unerträglich, satteln wir die Pferde. Die täglichen 150 km müssen absolviert werden, denn am Montag geht die Fähre ab Oban. Und so schaffen wir es heut gerade bis zum südlichen Zipfel des Peakdistricts. Ziel ist die „Lees Meadow Farm“, 25 km nördlich von Derby. Da bietet der Farmer wunderschön beschriebene Wiesen als Stellplatz für einen guten Preis an. In Derbys Sainsbury`s versorgen wir uns mit großen Trinkwasser-Kanistern und frischem Obst und dann steuern wir den ersten offiziellen Platz dieser Tour an. Wird aber auch Zeit, denn der Dicke braucht eine Auffrischung, bei der Hitze fängt er schnell mal an zu müffeln. Am Tor der Farm ist so spät keiner mehr da, aber eine Nummer von Richard klebt am Fenster. Den ruf ich an und er meint: „Stellt euch auf die Wiese und meldet euch morgen mal.“
Die Wiese ist wunderschön. Dicht, weich und grün – nicht so verbrannt wie die am See – lädt sie zum Barfußlaufen ein. Nur ein einziger Van steht noch drauf und der Rundumblick ist fantastisch. Weiter unten scheinen mehr Camper zu stehen aber ich freue mich hier oben sehr über die „Alleinlage“, denn nun, in der kühlen Abendluft, kann Luna nochmal richtig toben.
Ich pack ein Radler aus, das jemand mal im Womo vergessen hat und genieße den milden Abend, das leichte Lüftchen, die herrliche Ruhe und den Blick ins Umland. Das passt einfach. Vielleicht sollte ich hier doch mal länger bleiben. Also vielleicht zwei Nächte…?
Kommt gut durch die Nacht.



















