Das Abendlicht schenkt uns gemeinsam mit den Wolken noch eine fantastische Lichtstimmung und ebenso schön und doch ganz anders färbt die Morgenröte den Himmel und mein Küchenfenster auf Hadrians Hügel wunderbar rosa, sodass ich schon gegen 05:30 Uhr mein erstes Foto knipse.
Um die Zeit leg ich mich aber ganz gern noch einmal hin, auch wenn ich neuerdings sogar mein Kopfkissen teilen muss und froh bin, wenn noch ein Plätzchen frei ist. 😉
Na gut, dann eben doch aufstehen und so machen wir uns recht zeitig auf zur ersten Runde. Untem im Tal liegt die Lanacrost Priory. Nicht ganz so alt wie die Mauerreste der Römer, aber ein paar Jahre hat diese Ruine auch schon auf dem Buckel. 1169 von Augustinern gegründet, wurde die Priorei wie viele Klöster in Zeiten der Reformation aufgelöst und dem Verfall preisgegeben. Wir laufen den Berg hinab und nähern uns vom Friedhof aus der romantischen Ruine. Klischeehaft steigen krächzende schwarze Raben aus dem Turm empor, aber für die Gruselstimmung ist das Morgenlicht einfach zu schön. Auf das Gelände darf man nur mit Eintritt ab 10:00 Uhr aber ein paar Blicke kann man doch erhaschen.
Der Kirchenraum wurden neu überdacht und dient heute für Gottesdienste. In den Nebengebäuden gibt es ein Café und da kann man ab 09.30 Uhr frühstücken. Wenn es im Glencoe schon nicht geklappt hat, dann doch hier in der Priorei, aber erst müssen wir den ganz Berg wieder hinaufstiefeln. Erschwerend kommen die Hasen, Schafe, Fasanen und Eichhörnchen dazu, die Luna unbedingt noch für ihre Sammlung braucht. Nach links und rechts kann man – so man dann oben wieder angekommen ist – weit ins Land schauen. War ja für Hadrian strategisch auch bedeutsam, damit er vor allem die Wilden aus dem Norden zeitig genug bemerkte. Heute gibt es hier einen Wanderweg einmal durchs Land, von Ost nach West oder andersrum, immer am Wall entlang.
Frisch geduscht stehen wir Punkt 09:30 Uhr am Buffett und geben unsere Bestellung auf. Draußen auf der Terrasse in der Sonne lässt es sich im Ruinenambiente vorzüglich speisen. Neben uns hatte noch eine weitere Frau die gleiche Idee, auch in hündischer Begleitung, aber sie zeigt im Gegensatz zu mir eine Tendenz zur Mehrhundehaltung. Da will alles schön verknotet sein.
Ich möchte gern in die Yorkshire Dales. Da habe ich mir eine Wanderung ausgesucht. Dazwischen liegt aber die North Pennines Landscape. Vielleicht gibt es da ja auch was zu erkunden. Aber weder zeigt mir mein Navi freiwillig eine Straße hindurch – immer nur dran vorbei – noch finde ich irgendwelche Highlights. Am Rand, in der Nähe von Penrith werde ich dann doch fündig und als ich die großen Straßen meide, merke ich auch, warum sich mein Navi so seltsam gebärdet: die Straßen sind wirklich nicht zu empfehlen.
Acorn Bank ist ein Anwesen, das heute zum National Trust gehört, aber seine ersten Besitzer schon im Jahre 1228 belegen kann. Das waren Tempelritter, die das Land bewirtschafteten und damals schon eine Wassermühle betrieben. Dann wurde es ein Kloster, ging durch verschiedene private Hände und gehörte zum Schluss einer Schriftstellerin und Kunstsammlerin, die es dem NT schenkte, um seinen Erhalt dauerhaft zu sichern.
Zuerst schaue ich mir die alte Wassermühle an, die bis 1996 in einem ziemlich verrotteten Zustand war. Nun hat man sie wiederhergestellt und sogar die beiden Wasserräder wieder fit bekommen. In der Mühle wird tatsächlich noch Mehl gemahlen, das der interessierte Besucher auch kaufen kann. Der Wasserstand des kleinen Flusses ist aber so niedrig, dass nur eines von den beiden Mühlrädern läuft, für mehr reicht es nicht. Der freundliche Müller erklärt mir, wie das hier alles funktioniert und erzählt auch, dass er es zum ersten Mal erlebt hat, dass im gesamten Juli nur 10mm Niederschlag gefallen sind und berichtet stolz, dass er schon einmal auf dem Brocken war und in Wernigerode.
In dem kleinen gelben Kasten dort in der Mitte sieht man nur ab und zu eine Handvoll Mehl herabfallen. Würden beide Mühlräder laufen, ginge das doppelt so schnell. Fehlendes Wasser hat auch dem Teil des Anwesens den Garaus gemacht, der mich am meisten interessiert. Dem Kräutergarten. Dafür ist Acorn Bank berühmt. Aber auch hier ist vieles vertrocknet und kaum noch zu erkennen. Die Trockenschränke im Kräuterraum sind leer, die Sträuße, die von der Decke hängen alt. Außerdem dürfen Hunde nicht mit in den Walled Garden und so trete ich den Rückzug an.
Da kommt mir eine freundliche Frau entgegen und fragt, ob ich Lust hätte, an ihrer Kräuterführung teilzunehmen. Ich zeige auf Luna und sage, dass das leider nicht geht. Aber wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihr von meinem Hobby. Na da gibt es gleich was zu Schnattern, nur dass ich bei Fachsprache Kräuterwissen in Englisch leider zu oft passen muss.
Langsam zuckeln wir weiter über die schmalen, löchrigen Straßen in Richtung Yorkshire Dales und machen einen Stopp an diesem schönen Bach. Da sind einige Kinder am Baden, aber wir laufen nur ein Stück am Ufer entlang.
Und dann steht da „Route Barré“ – Straße gesperrt in 4 Meilen. Och ne denk ich, da hab ich jetzt keine Lust drauf. Und weil ich weiß, dass in 3km ein schöner Stellplatz kommt, fahre ich noch bis dahin und klinke mich aus, mit Blick aufs Tal in der Hoffnung, dass bei gesperrter Straße hier nicht so viel Verkehr sein wird..
Kommt gut durch die Nacht.
4 Kommentare zu „Trocken“
Marie
Bonjour, meine liebe Marion,
ich glaube ja, dass deine Traumreise sich bald dem Ende neigt, da melde ich mich doch nochmal, 2x hatte ich geschrieben, habe aber nichts gefunden, schade, war wohl ma faute!
Was hast du für wunderschöne Gegenden, was für Altes und Neues hast du „aufgespürt“, das Lesen deiner Berichte war für mich eine Traumreise!
Und dein Lunchen, ebenfalls ein Traum.
Und zu dir, auf Fotos von dir sah ich erfreut, dass wir uns „haarig“ nun sehr nah sind, siehst super aus!! Freue mich auf den Oktober.
Na, und den Dicken will ich aber auch mal loben und hoffe, dass er dich und Luna irgendwann in den nächsten Tagen gesund nach Hause bringt.
Noch viele schöne Erlebnisse, passt auf euch auf und seid ganz lieb gegrüßt, Marietheres
Liebe Marietheres, es freut mich umso mehr, dass es jetzt geklappt hat 😃 Ja, die Reise hat wieder sehr viel Neues für uns bereitgehalten und das ist es ja, was ich daran so mag: jeder Tag überrascht mich, auch wenn ich eine Idee habe, bleibt immer noch genug Spielraum für Überraschungen- meistens gute 🥰. Ich bin sehr froh und dankbar, dass der Dicke und meine Luna so treue Reisebegleiter sind und mich bisher nicht im Stich gelassen haben. Wir haben jetzt noch 6 Tage, am 7. geht früh morgens 6:00 Uhr die Fähre in Dover. Ein kleines Highlight hab ich noch, aber das wird noch nicht verraten 😂
Nun sei ganz lieb gegrüßt und bis bald zum Treffen der Weißhaarigen in Medroux 🙋🏼🐶🏴
Da muss ich Marietheres Recht geben. Es ist eine wirklich wundervolle und interessante Reise… Ich freue mich schon darauf, wenn du noch einmal persönlich berichten kannst… Wie ist eigentlich das Bild entstanden, wo Luna und du beide schlafen?!😅 Liebste Grüße!
Es freut mich, wenn es auch für euch interessant ist und ihr gern mitlest, da ist mein Geschreibsel nicht für die Katz 😂 Und für mich ist es nach fast fünf Wochen auch schön, denn ich hab die Hälfte schon wieder fast vergessen 🙈. Naja, das Bild… dient der Anschauung, wie selbstlos ich mein Kissen teile – ich schlafe natürlich nicht 😝
Bonjour, meine liebe Marion,
ich glaube ja, dass deine Traumreise sich bald dem Ende neigt, da melde ich mich doch nochmal, 2x hatte ich geschrieben, habe aber nichts gefunden, schade, war wohl ma faute!
Was hast du für wunderschöne Gegenden, was für Altes und Neues hast du „aufgespürt“, das Lesen deiner Berichte war für mich eine Traumreise!
Und dein Lunchen, ebenfalls ein Traum.
Und zu dir, auf Fotos von dir sah ich erfreut, dass wir uns „haarig“ nun sehr nah sind, siehst super aus!! Freue mich auf den Oktober.
Na, und den Dicken will ich aber auch mal loben und hoffe, dass er dich und Luna irgendwann in den nächsten Tagen gesund nach Hause bringt.
Noch viele schöne Erlebnisse, passt auf euch auf und seid ganz lieb gegrüßt, Marietheres
Liebe Marietheres, es freut mich umso mehr, dass es jetzt geklappt hat 😃 Ja, die Reise hat wieder sehr viel Neues für uns bereitgehalten und das ist es ja, was ich daran so mag: jeder Tag überrascht mich, auch wenn ich eine Idee habe, bleibt immer noch genug Spielraum für Überraschungen- meistens gute 🥰. Ich bin sehr froh und dankbar, dass der Dicke und meine Luna so treue Reisebegleiter sind und mich bisher nicht im Stich gelassen haben. Wir haben jetzt noch 6 Tage, am 7. geht früh morgens 6:00 Uhr die Fähre in Dover. Ein kleines Highlight hab ich noch, aber das wird noch nicht verraten 😂
Nun sei ganz lieb gegrüßt und bis bald zum Treffen der Weißhaarigen in Medroux 🙋🏼🐶🏴
Da muss ich Marietheres Recht geben. Es ist eine wirklich wundervolle und interessante Reise… Ich freue mich schon darauf, wenn du noch einmal persönlich berichten kannst… Wie ist eigentlich das Bild entstanden, wo Luna und du beide schlafen?!😅 Liebste Grüße!
Es freut mich, wenn es auch für euch interessant ist und ihr gern mitlest, da ist mein Geschreibsel nicht für die Katz 😂 Und für mich ist es nach fast fünf Wochen auch schön, denn ich hab die Hälfte schon wieder fast vergessen 🙈. Naja, das Bild… dient der Anschauung, wie selbstlos ich mein Kissen teile – ich schlafe natürlich nicht 😝