Die Hoffnung war berechtigt und der schöne Sonnenuntergang gestern hat wirklich besseres Wetter vorausgesagt. Nur noch die riesigen PfĂŒtzen zeugen von den RegenfĂ€llen der letzten Tage, zum GlĂŒck sind auch keine 30 Grad zu erwarten und so starten wir beide in einen Tag so ganz nach unserem Geschmack. Luna fegt ĂŒber die Wiesen und ich erfreu mich an der Pflanzen, die mir meine App als Schwanenblumen vorstellt – sehr passend, denn schon gestern sind wir einer recht giftigen Schwanenmutter mit Jungen begegnet, die heute auf dem Wasser vor sich hindĂŒmpeln.
Wir fahren durch die Scottisch Borders – also die sĂŒdlichen AuslĂ€ufer Schottlands im Grenzland zum Rest GroĂbritaniens und ich genieĂe die liebliche Landschaft. Sanfte HĂŒgel, kleine Dörfer, ab und zu ein einsamer Hof, hier und da Schafe. Dazu ein wunderbares Licht, nur oredentliche ParkplĂ€tze zum Fotografieren haben sie hier nicht. Das erste Bild ist durch die Frontscheibe geschossen, aber zum GlĂŒck fĂ€hrt hier kaum jemand lang. Auch das ist Schottland, weniger dramatisch, nicht spektakulĂ€r, aber trotzdem wunderschön.
Wir fahren erst ein StĂŒck im Clyde-Tal entlang und wechseln dann ins nicht weniger schöne Tal des Tweeds. Am StraĂenrand stehen ĂŒberall SchmalblĂ€ttrige Weidenröschen – die darf ich nicht vergessen. Also biege ich mal kurz ab und lege eine KrĂ€uterrunde ein. Auch bei dieser Pflanze muss man, wie schon beim Rosentee, eine Fermentation anstoĂen, damit daraus der gesundheitsfördernde Ivan Chai wird. Schaut ruhig mal nach, das Internet ist voll davon. Bei meinem nĂ€chsten Workshop können dann beide Tees probiert werden.  Strategisch passt es gerade  ganz gut, denn welken können die Pflanzen wunderbar allein und ich stopfe sie dann heute Abend ins Glas. Eine SchĂŒssel leckere Himbeeren bekomme ich noch als Zugabe – perfekt.!
Unser erstes Ziel ist Traquair House. Tra/Tre = Siedlung und Quair heiĂt der Bach, der hinter dem Haus flieĂt. Es wird behauptet, das dies das Ă€lteste durchgehend bewohnte Haus in Schottland ist – wer kann dem widersprechen? Auf alle FĂ€lle erwartet uns bei einem Alter von ĂŒber 900 Jahren eine Menge Geschichte. Wir dĂŒrfen gespannt sein.Â
AuffĂ€llig ist, dass der Denkmalschutz bei diesem (immerhin Ă€ltesten) Haus die Augen zuzudrĂŒcken scheint. Die schrĂ€gen Dachklappfenster sind auf alle FĂ€lle nicht stilecht.
Auch ein Modell der HĂ€user der ersten Siedler am Fluss steht als Pavillion im Garten
Dann schau ich mir das Haus noch von innen an und einige RĂ€ume sind nicht zu betreten, denn die Familie Maxwell-Stuart wohnt tatsĂ€chlich im GebĂ€ude. Als irgendwie angenehm empfinde ich, dass in diesem Herrenhaus fast unsichtbar saniert wurde. Die Böden sind schief, die Treppen ausgetreten, beim Anschauen des kurzen Infofilms sitzt man in uralten Sesseln und auĂen… ihr habts auf den Bildern gesehen: da hat die Fassade auch schon Patina angesetzt. Das macht aber gar nichts, denn umso mehr Liebe zum Detail steckt in der Aufarbeitung der Geschichte des Hauses. UnzĂ€hlige ErklĂ€rtafeln, historische GegenstĂ€nde und Geschichten werden auf eine sehr sympatische Art prĂ€sentiert. Man hat auf alle FĂ€lle nicht das GefĂŒhl, hier wĂ€ren eine groĂe Marketingagentur oder teure MuseumspĂ€dagogen am Werk gewesen. Alles ist irgendwie handgemacht und liebevoll arrangiert. Jahrhundertealtes steht neben Neuerem, denn das Haus wurde durch das Leben seiner Bewohner ĂŒber Jahrhunderte hinweg immer wieder verĂ€ndert. Alte Deckenverzierungen existieren neben Verkleidungen, modernere Möbel neben antiken.
Die Glocken im Angestelltentrakt haben ĂŒbrigens unterschiedliche Tonhöhen, sodass der Butler auch ohne hinzusehen genau wusste, in welchem Zimmer seine Dienste benötigt wurden.
Die Besitzer des Hauses gehörten der Stuart-Dynastie an und waren bei den JakobitenaufstĂ€nden natĂŒrlich auf der Seite der Rebellen. Auch Bonnie Prince Charly war hier auf seiner Flucht zu Besuch und als er den Hof verlieĂ und sich hinter ihm das Haupttor, ein mit BĂ€ren auf den Pfeilern bestĂŒcktes Prunktor schloss, versprach der damalige Leard, es erst wieder zu öffnen, wenn ein Stuart-König auf dem Thron sitzt. Das ist wie wir wissen nicht geschehen, die Stewart-Linie starb aus, aber das Tor wurde seit 1745 nie wieder geöffnet.
Die Allee wurde zur Wiese und das Tor ganz hinten ist seit 1745 geschlossen.
Als Stuart-Treue waren die Bewohner des Hauses auch Katholiken. Dieser Glaube wurde aber unter einem reformierten König zeitweise verboten. Trotzdem lebte in Tanquair-House damals heimlich ein Priester und hielt in einem Zimmer Gottesdienste ab. Das war ziemlich gefĂ€hrlich und so gab es hinter einem Regal eine geheime Fluchttreppe aus dem Schloss, ĂŒber die der Diener Gottes sich aus dem Staub machen konnte.
da rechts unter den BĂŒchern konnte der Priester entfleuchen
...um dann diese steile Treppe hinunterzustĂŒrzen đ
Auch Maria Stuart herself war hier Gast und man stellt einige persönliche GegenstÀnde von ihr zur Schau. In diesem Kasten einen Schuh, ihre Geldbörse ein Bild und eine Tasche nebst Konterfei in Gips.
Und dann gibt es noch die spektakulĂ€re Flucht des Schwagers des 4. Earl of Tranquair House. Als Jakobit wurde William Maxwell 1715 gefangen genommen und wartete im Tower auf die Vollstreckung seines Todeurteils. Seine Frau, Lady Winifred Maxwell durfte ihn dort mit einer Zofe  besuchen. Das William die Zelle in Frauenkleidern verlieĂ, wurde nicht bemerkt und er entkam nach Rom. Dort lebte er mit seiner Familie unbehelligt weiter und dieser Coup gilt bis heute als einer der grandiosesten GefĂ€ngnisausbrĂŒche Englands.
Lady Winifred
FROM A DRAWING BY CHARLES KIRKPATRICK SHARPE (1781-1851)
Sicher hat das Haus noch viel mehr Geschichten zu erzĂ€hlen. Doch wir ziehen weiter und fahren in Richtung g Innerleithen. Was wie ein Tiroler Skiort klingt, ist keine 2km vom Haus entfernt und liegt am Weg zur Melrose Abbey. Da will ich eigentlich hin, aber hier sind so viele Wanderwege ausgezeichnet, das Wetter ist so toll und wir mĂŒssen uns unbedingt bewegen. Also zögere ich nicht lange und mache eine wunderschöne Wanderung auf den Kirnie Law. Erst gehts ein StĂŒck am FlĂŒsschen Leithen Water entlang, dann ziemlich lange bergauf und oben ist es wirklich schön: Schaut selbst:
Tal des Leithen Water
Hier gibt es viele Mountainbike-Trails
Ăberall Heide
Auch Luna hatte SpaĂ
Das ist der Gipfel
Geschafft!
Blick ins Tweed-Tal
Da hinten rechts im Wald – da steht Tranquair House..
Da – seht ihrs?
Blick auf Innerleithen
Kommt gut durch die Nacht! âșïž
4Â Kommentare zu âDas Tor bleibt zu!â
Kordula Dieban
Liebe Marion, es ist eine Freude jeden Tag deinen Reisebericht zu lesen. Besonders beeindruckend sind die vielen interessanten Hintergrundinformationen und natĂŒrlich die tollen Fotos. Liebe GrĂŒĂe von Kordula
Liebe Kordula, das freit mich sehr denn auch finde es immer sehr spannend, welche Geschichten sich an den Orten zugetragen haben. Da recherchiere ich abends dann gern noch stundenlang und natĂŒrlich ist es prima, wenn auch andere es interessant finden. Wie mutig z.B. von der Lady, ihren Mann aus dem Tower zu schleusen. Die kannte vorher wahrscheinlich nur gepflegte Teatimes đ
Liebe GrĂŒĂe
Was fĂŒr eine interessante Geschichte um die Familie Stuart…. Ich frage mich, wer statt des geflĂŒchteten Earls im Tower geblieben ist, im Tausch quasi….
Ach, meine Beste. Es ist so schön, deine Berichte zu lesen. Aber wenn du bald wieder gesund zurĂŒckgekehrt bist, freue ich mich auch!
Liebe Marion, es ist eine Freude jeden Tag deinen Reisebericht zu lesen. Besonders beeindruckend sind die vielen interessanten Hintergrundinformationen und natĂŒrlich die tollen Fotos. Liebe GrĂŒĂe von Kordula
Liebe Kordula, das freit mich sehr denn auch finde es immer sehr spannend, welche Geschichten sich an den Orten zugetragen haben. Da recherchiere ich abends dann gern noch stundenlang und natĂŒrlich ist es prima, wenn auch andere es interessant finden. Wie mutig z.B. von der Lady, ihren Mann aus dem Tower zu schleusen. Die kannte vorher wahrscheinlich nur gepflegte Teatimes đ
Liebe GrĂŒĂe
Was fĂŒr eine interessante Geschichte um die Familie Stuart…. Ich frage mich, wer statt des geflĂŒchteten Earls im Tower geblieben ist, im Tausch quasi….
Ach, meine Beste. Es ist so schön, deine Berichte zu lesen. Aber wenn du bald wieder gesund zurĂŒckgekehrt bist, freue ich mich auch!
Na ich denke es war die Zofe đ, die arme Frau. Ja so langsam freue ich mich auch auf mein Zuhause – vor allem auf die Dusche und das Bett đ