Unter diesem Titel platziert die Journalistin Annette Dittert seit mehreren Wochen einen Bestseller in den Buch-Top-Ten und ich habe mich voll Vergnügen mit diesem Schmöker auf meinen Sommerurlaub eingestimmt. Natürlich reise ich nicht im Hausboot, wie Frau Dittert oder nehme wie diese die britische Staatsbürgerschaft an, aber meine Liebe zur Insel und der etwas schrulligen Freundlichkeit ihrer Bewohner wächst mit jedem Besuch. Das wird mir besonders bewusst, als ich den Vorabend meiner Überfahrt am Strand von Dünkirchen verbringe und dort wieder einmal das Kontrastprogramm erlebe:
Besser nicht in Richtung Hafen gucken
Es ist Ebbe, der kilometerlange Sandstrand von Dünkirchen besonders breit und trotz der Hitze sind um die Mittagszeit recht wenige Menschen vor Ort – was sich aber nach Arbeitsschluss bald ändern wird. Schnurgerade zieht sich daneben die schmucklose Promenade entlang und an jedem Zugang das gleiche Spiel: Hundeverbot.
Irgendwo da hinten muss doch der Hundestrand sein, denke ich mir und wir trotten beide in der Hitze auf dem Beton übrigens genau in unserer Spur dahin. Vier davon sind auf den Boden gemalt: Fußgänger hin – Fußgänger zurück – Fahrradfahrer hin – Fahrradfahrer zurück und alle bewegen sich brav in ihrer Spur. Da sehe ich plötzlich Hunde am Strand, sogar einen Zugang ohne Verbotsschild und ein Stück weiter… wie schööön… parken 3 Womos direkt an der Promenade. Das passt ja. Also schnell zurück, den „Dicken“ umparken und dann nichts wie runter ans Wasser.
Der Ball fliegt, Luna freut sich. Badende sind hier nur vereinzelt zu sehen. Doch augenscheinlich hatte ich das Ende des Hundestrandes übersehen. Keine zwei Bälle später braust ein Quad auf mich zu, darauf ein junger Mann in Bademeisteroutfit, der mit anblafft, als hätte ich gerade die Kronjuwelen gestohlen – vermutlich haben die Franzosen noch nicht mal welche. Auch wenn er augenscheinlich im Tourismusgewerbe arbeitet, kann er natürlich nur Französisch, das Wort „dog“ beherrscht er aber und schleudert es mit vorwurfsvoll ins Gesicht. Ich rufe Luna brav heran, mache sie an die Leine und zeige fragend in Richtung Hundestrand. Er schüttelt wild den Kopf und korrigiert meinen Weg: außen rum, was bedeutet: zurück auf den Beton, oben lang und dann wieder runter. Und als krönenden Abschluss lässt er es sich nicht nehmen, mich bis zur Promenade mit seinem Quad zu begleiten. Ich glaube, hätte er Handschellen dabeigehabt, wären die bestimmt zum Einsatz gekommen.
Jo, da ist dann mal wohl die Frage, wen wir hier wohl stören?
Nun ja, Freunde werden wir in diesem Leben nicht mehr, hier geht es nur um friedliche Koexistenz, denn es gibt mindestens zwei gute Gründe für meinen Besuch in diesem Land: die Fähre nach Dover und meine lieben Lippmann-Frauen in Medroux.
Wir ziehen uns erst einmal in das schattige Womo zurück, lassen den Wind durch die Fenster blasen, ich lese, Luna schläft und wir beide warten auf unseren Einsatz. Der kommt gegen Abend, als der Strand sich langsam leert, ganz leise die Rhythmen eines Trommelduos hinüberwehen, die Hitze abflaut und die Sonne ihr Farbenspiel beginnt. Der Strand ist nun frei, das Quad in der Garage, wir genießen den lauen Abend und den Farbenrausch, den die Sonne wieder einmal veranstaltet
Dass neben meinem und den anderen Campern ein Parkverbotsschild für „caming cars“ hing, hat übrigens weder den Baywatch-Typen noch jemanden anderen gejuckt und so schlafe ich gemütlich mit Meeresrauschen, bis mich um 04:00 Uhr mein Wecker daran erinnert, dass in einer Stunde das CheckIn schließt.
Also: solltet ihr mal am Plage de Leffrinckoucke bei Dünkirchen auf eure Fähre warten, dann gebt bitte nicht „Hafen“ ins Navi ein. Da steht ihr nämlich wie ich 04:20 mitten in Dünkirchen an so einem kleinen Haus am Kanal und müsst noch fast 30 Minuten bis zum „Car Ferry“!!-Terminal fahren. Nun ja, kleiner Schreck am frühen Morgen, aber es hat ja alles geklappt.
Wir holen den fehlenden Schlaf gleich auf der Fähre nach und beginnen drüben mit einer alten Tradition: Frühstück auf den Klippen mit Hafenblick. Da wir Ortszeit 07:00 schon da sind, können wir den herrlichen Morgen fast allein genießen. Wusstet ihr eigentlich, dass täglich bis zu 400 Schiffe den Kanal befahren? Das und ein paar andere Funfacts kann man auf dem Geländer erfahren.
Mich fasziniert vor allem immer wieder die Pflanzenvielfalt, die auf diesem riesigen Kalkhaufen herrscht und wir genießen unsere kleine Morgenrunde: Luna Blick auf Hasen und Krähe – ich Blick auf die Pflanzenwelt in ihrem Farbenrausch.
Ein Blick aufs Navi allerdings verdirbt die Lust, die Londoner Südring zu befahren: StauStauStau. Deshalb entscheide ich mich als „Wiederholungstäterin“ für Great Dixter, den wunderschön wilden Garten in 60km Entfernung. Da gehts über kleine Straßen langsam voran und ich kann mich ans Linksfahren gewöhnen. Als wir gegen Mittag ankommen ist sehr viel los und auch die Temperaturen sind mit 29 °C ziemlich unangenehm. Deshalb fahren wir ganz hinten ans Ende des Wiesenparkplatzes und genießen den Schatten am Womo mit Wiesenblick.
Am Nachmittag gehts dann in Blütenparadies. Hier darf alles wuchern und wachsen, blühen und sich selbst aussäen. Überbordende Wildheit steht neben streng geschnittenen Hecken und auch das herrliche Haus spielt harmonisch mit. Auch hier voll der Farbenrausch, aber der will gepflegt werden. Überall sprudelt Wasser aus den Schläuchen der vielen jungen Gärtner und hie und da wird selbst bei der Hitze nachgepflanzt. Ich koste die ersten saftigen, reifen Maulbeeren vom riesigen Baum und schlendere durch dieses Paradies. Dann gehts noch eine Runde durch die wilden Wiesen und am Nachmittag machen wir uns auf den Weg gen Norden. Mal schauen, wie weit wir heute kommen, denn das Mantra für dieses Jahr ist: Immer mit der Ruhe, nicht hetzen lassen.
Nach einem kleinen Zwischenstopp im Schatten wagen wir uns gegen 19:00 Uhr doch noch auf die M25 in westlicher Richtung und haben Glück. Nach knapp zwei Stunden haben wir einen wunderschönen Platz für die Nacht gefunden.. Ein Wanderparkplatz nahe Ashridge Estate mit Blick übers Land. Auf der anderen Seite grüßt der Whipsnade White Lion, eine riesige Kreidefigur auf den Dunstable Downs. 1933 als Hinweis für den örtlichen Zoo errichtet, wurde er im 2.Weltkrieg verdeckt, um den feindlichen Bombern nicht als Orientierung zu dienen. Im Vergleich zu vielen anderen Kreidefiguren in UK ist er aber ein recht junges Tier.
Luna hält Ausschau nach dem Löwen
Nun sitze ich hier mit einer wunderbaren Abendstimmung und habe sogar Netz, um diese Zeilen zu tippen. Schön, dass ihr wieder dabei seid und liebe Grüße in die Heimat.
Kommt gut durch die Nacht.
12 Kommentare zu „Farbenrausch“
Holger
Viel Spaß und erholt euch gut. Ich freue mich auf die ersten Bilder.
Meine Beste, wie schön, dass du mit Lunchen wieder auf Reisen bist und uns teilhaben lässt. Bei den wunderbaren An- und Einblicken vergisst man sogar den unfreundlichen Franzosen. Ein Quad ist erlaubt, aber Hunde verboten??? Merde…. Nun wünsche ich euch eine schöne Zeit und sende viele Grüße aus dem verregneten Jena an euch zurück! Herzlichst, Netti
Jepp, die Regeln sind die Regeln, sinnvoll oder nicht 😆 Aber wenigstens gibts was zu berichten 😂 Uns gehts auf der Insel wunderbar- stehen gerade beim Frühstück unter den großen Bäumen des Ashridge Estate und beobachten britische Hundebesitzer bei der Morgenrunde. Herrlich 😆
Ich werde berichten 👍
Liebe Grüße 🙋🏼♀️🐶
Liebe Marion,
Dünkirchen ist wirklich nicht schön, dass habe ich auch schon festgestellt. Dafür bist du mit den nächsten Aussichten sicher schon entschädigt worden. Ich bin schon gespannt, über deine nächsten Berichte. Ich werde mir die Landkarte nehmen und schauen wo du dich so „rumtreibst“. Pass auch dich auf, aber dafür sorgt sicher deine Luna….. Weiterhin gut Reise,
Liebe Grüße,
Sylvia vom YOGA am Dienstag
Liebe Sylvia,
da hast du wohl recht: zumindest in der einen Richtung echt hässlich. Den Übernachtungsplatz kenn ich aber schon, hatte ihn nur nicht gleich wiedergefunden und das macht sich als Puffer vor der Fähre sehr gut.
Ich freue mich, dass du dabei bist und hoffe du hast Spaß am Lesen 😊
Liebe Marion!
Nun in den Ferien bei Muddi habe ich genug Zeit und Muße, um dir auf deinen wunderschönen Reiseberichten zu folgen. Seid behütet und habt eine unvergesslich schöne Zeit!
Liebe Grüße, Lotte und Ruth aus der Bretagne
Liebe Ruth,
schön, dass du gut in Medroux gelandet bist und wieder mitliest. Ich hoffe, dein Schuljahr war einigermaßen entspannt und du musstest dich nicht in die Ferien retten. Ich bin dank der Klinikstelle recht gut drauf und freue mich nach der Pause im letzten Jahr auf 5 schöne Wochen. Lassen wir uns überraschen, was der Weg für uns bereithält ❤️
Liebe Grüße und Knuddeleinhriten fürs Hundetier senden Luna und ich 🐶🙋🏼
Und wenn es keine Hundeverbotsschilder gegeben hätte, meine liebe Marion, hätten wir uns nicht kennengelernt, und ich würde mich nun nicht über deine tollen Reiseberichte mit Lunchen und dem „Dicken“ freuen können.
Pass gut auf dich auf, „vive la France „ and god save the King“,
Oh ja, da hast du natürlich vollkommen recht und ich komme auch sehr gern immer wieder in die wunderschöne Bretagne. Doch um den Text interessant zu machen, greife ich gern auf das bewährte Mittel der Übertreibung zurück 🤭 Und da musste das mal sein 😆
Liebe Grüße an meine beiden Lieblingsfastfranzösinnen
🙋🏼🐶
Liebe Marion, herrlich sind deine Zeilen. Und was du nicht alles erlebst. Nur Mit! Weiter so. Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit!
Gruß aus der Heimat von Ines aus der Yogagruppe
Viel Spaß und erholt euch gut. Ich freue mich auf die ersten Bilder.
Gruß Holger
Lieber Holger,
danke für die netten Wünschen und viel Spaß beim Lesen 🙋🏼♀️🐶☀️
Meine Beste, wie schön, dass du mit Lunchen wieder auf Reisen bist und uns teilhaben lässt. Bei den wunderbaren An- und Einblicken vergisst man sogar den unfreundlichen Franzosen. Ein Quad ist erlaubt, aber Hunde verboten??? Merde…. Nun wünsche ich euch eine schöne Zeit und sende viele Grüße aus dem verregneten Jena an euch zurück! Herzlichst, Netti
Jepp, die Regeln sind die Regeln, sinnvoll oder nicht 😆 Aber wenigstens gibts was zu berichten 😂 Uns gehts auf der Insel wunderbar- stehen gerade beim Frühstück unter den großen Bäumen des Ashridge Estate und beobachten britische Hundebesitzer bei der Morgenrunde. Herrlich 😆
Ich werde berichten 👍
Liebe Grüße 🙋🏼♀️🐶
Liebe Marion,
Dünkirchen ist wirklich nicht schön, dass habe ich auch schon festgestellt. Dafür bist du mit den nächsten Aussichten sicher schon entschädigt worden. Ich bin schon gespannt, über deine nächsten Berichte. Ich werde mir die Landkarte nehmen und schauen wo du dich so „rumtreibst“. Pass auch dich auf, aber dafür sorgt sicher deine Luna….. Weiterhin gut Reise,
Liebe Grüße,
Sylvia vom YOGA am Dienstag
Liebe Sylvia,
da hast du wohl recht: zumindest in der einen Richtung echt hässlich. Den Übernachtungsplatz kenn ich aber schon, hatte ihn nur nicht gleich wiedergefunden und das macht sich als Puffer vor der Fähre sehr gut.
Ich freue mich, dass du dabei bist und hoffe du hast Spaß am Lesen 😊
Liebe Marion!
Nun in den Ferien bei Muddi habe ich genug Zeit und Muße, um dir auf deinen wunderschönen Reiseberichten zu folgen. Seid behütet und habt eine unvergesslich schöne Zeit!
Liebe Grüße, Lotte und Ruth aus der Bretagne
Liebe Ruth,
schön, dass du gut in Medroux gelandet bist und wieder mitliest. Ich hoffe, dein Schuljahr war einigermaßen entspannt und du musstest dich nicht in die Ferien retten. Ich bin dank der Klinikstelle recht gut drauf und freue mich nach der Pause im letzten Jahr auf 5 schöne Wochen. Lassen wir uns überraschen, was der Weg für uns bereithält ❤️
Liebe Grüße und Knuddeleinhriten fürs Hundetier senden Luna und ich 🐶🙋🏼
Und wenn es keine Hundeverbotsschilder gegeben hätte, meine liebe Marion, hätten wir uns nicht kennengelernt, und ich würde mich nun nicht über deine tollen Reiseberichte mit Lunchen und dem „Dicken“ freuen können.
Pass gut auf dich auf, „vive la France „ and god save the King“,
deine Marietheres
Oh ja, da hast du natürlich vollkommen recht und ich komme auch sehr gern immer wieder in die wunderschöne Bretagne. Doch um den Text interessant zu machen, greife ich gern auf das bewährte Mittel der Übertreibung zurück 🤭 Und da musste das mal sein 😆
Liebe Grüße an meine beiden Lieblingsfastfranzösinnen
🙋🏼🐶
Liebe Marion, herrlich sind deine Zeilen. Und was du nicht alles erlebst. Nur Mit! Weiter so. Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit!
Gruß aus der Heimat von Ines aus der Yogagruppe
Liebe Ines, dank dir für den lieben Kommentar und schön, dass du Spaß hast. Liebe Grüße und einen schönen Sommer