Was haben Madonna und Elon Musk gemeinsam?

Der Morgen lässt sich gut an, es ist erstaunlich warm, in der vergangenen Nacht bin ich mit nur einer Decke ausgekommen, das waren bisher immer zwei. Auf dem kleinen Waldparkplatz kurz hinter Brora haben sich noch zwei weitere Camper neben das rauschende Flüsschen gleichen Namens einquartiert. Wir hatten eine ruhige Nacht und sind schon morgens am Wasser unterwegs.

Auf dem Weg zum Dunrobin Castle fällt links direkt neben der Straße ein Turmstumpf ins Auge.

Das ist Carn Liath, ein Broch (also ein ehemaliger Wohnturm) aus der Eisenzeit. Zwei sich gegenseitig stützende Trockenmauern konnten bei solchen Türmen eine Höhe von bis zu 13m erreichen. Diese hier ist nur noch 3,5m hoch und wurde nachträglich wiederhergestellt, nachdem man sie abgetragen und die Steine wahrscheinlich anders verwendet hatte. Eine Tafel erklärt dem Besucher, was er da vor sich hat.

Schon von weitem blitzt das Zuckerbäcker-Castle aus den Bäumen hervor. Seit dem 15.Jahrhundert befindet sich hier der Stammsitz der Dukes of Sutherland. Das sind übrigens die, welche sich mit den Vertreibungen der schottischen bauern zur Zeit der Clearances nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.

Nachdem Anfang des 19.Jahrhunderts der Vorgängerbau abgebrannt war, erhielt das Castle unter dem Architekten Charles Barry, der auch das Londoner Parlamentsgebäude gestaltet hat, sein heutiges Aussehen.

Wir sind pünktlich – überpünktlich, aber das hatte ich gehofft. Noch 1,5 Stunden bis zur Eröffnung um 10:oo und so kann ich mit Luna vorher eine große Runde durch die – eigentlich gar nicht so schönen – Außenanlagen drehen. Also die um den Castlegarten liegenden Wälder. Von wegen englischer Garten. Hier sieht alles etwas wild aus, dafür scheint es hinter den Mauern sehr “französisch” zuzugehen. Das können wir aber im Moment nur ahnen, denn der Castle-Garden öffnet auch erst später.

Außerhalb der Mauern gibt es dann nur die “Angestelltenunterkünfte” und doch den ein oder anderen lauschigen Platz.

Eigentlich, so schreibt der Reiseführer, müsse man bei diesem Schloss mit dem Schiff anreisen, denn die Lage am Dornoch Firth ist einfach wunderschön, das allerdings kann man wahrscheinlich erst mit einem Blick aus einem der Fenster genießen.

Ich bringe Luna ins Womo und bin doch tatsächlich die erste Besucherin in einer kleinen Schlange, doch schon rollen die Busse an. Trotzdem habe ich jeden der Räume fast für mich allein und werde von den Museumsdamen und-herren freundlich begrüßt. Eine der Damen beglückwünscht mich sogar, denn wenn es genauso voll wie gestern würde, so meint sie, sei das hier die beste Zeit. Ich gehe also völlig allein durch die wunderschönen Räume und komme mir fast vor, wie die Hausherrin.

Als ich den Wächter im Speisezimmer frage, was es denn heute zum Dinner gebe, lacht er und meint, es wäre leider kein Platz mehr frei. 13.Fee oder was??? Der Blick aus dem Fenster ist wirklich wunderschön und der Schlossgarten sieht viel besser aus, als der Wald drumherum, fast wie in Versailles… naja, im Kleinformat.

Hübsch sind auch die Kinder- und Nannyzimmer. Die Kindermädchen schliefen damals gemeinsam mit den Babys der Herrschaften in einem Raum, daneben das Zimmer der Größeren und das Bad.

Da der letzte Duke of Sutherland keine Kinder hatte, erbte das Schloß seine heute fast hundertjährige Nichte. Diese hatte vor, hier eine Eliteschule nach dem Vorbild des nahegelegenen Gordonstoun (Eliteschule von Prinz Charles) zu errichten. Der Plan ging mangels Beteiligung schief und nach 7 Jahren wurde die Schule wieder in ein Museum umgewandelt. In manchen Ecken hier kommt man sich aber auch heute noch ein bisschen vor, wie in Hogwarts.

Nun aber hinunter ins Freie, auch dort bin ich in vielen Ecken noch ganz allein. Vorbei am Riesenrhabarber (Giant Rhubarb oder Dinosaur Food) gehts in den schön angelegten und wild blühenden Garten

Im hinteren Teil gibt es dann noch eine Art Gartenhaus mit eigenem etwas skurrilen Museum. Hier hat der 5. Duke seine Trophäensammlung untergebracht. So richtig weiß ich nicht, was ich davon halten soll… an jedem Tier hängt ein Schild mit der Art und wann es, von wem, wo getötet wurde. Einerseit faszinierend die Tiere so nah zu sehen. Alle Präperate sind ziemlich gut erhalten. Andererseits: welch ein Wahnsinn – so viele seltene Tiere aus Jagdlust umzubringen… zum Glück wird das heute kritisch gesehen, auch wenn sich manch blaues Blut gegenwärtig immer noch gern auf Großwildjagd begibt.

Ich frage den freundlichen Wachmann, wie viele Präparate hier ausgestellt sind , aber er winkt nur ab. Und dann passt er nicht auf und wird auch zum Präparat. Findet ihr ihn?

Als ich zum Eingang zurückkomme, drückt sich der Besucherstrom an der Kasse vorbei. Ich besorge mir im Museumscafe noch einen Carrotecake für nachmittags ( der war allerdings längst nicht so lecker, wie der von den Highland-Games) und verschwinde mit Luna und dem “Dicken” in Richtung Durnoch. Dieses kleine Städtchen hat es zu einiger Berühmtheit gebracht und das kam so. Sein Kirchlein gilt als ”Großbritanniens kleinste Kathedrale”. Unerhoffte Unterstützung beim Erhalt des Gebäudes kam von Andrew Carnegie. Ganz in der Nähe besaß der milliardenschwere Metallbaron und Wohltäter Ende des 19.Jahrunderts nämlich ein Schloss – das er selbst gebaut hatte – Skibo Castle. Neben verschiedenen Stiftungen für Frieden, dem Carnegie Hero Trust Fund, öffentlichen Bibliotheken, Wissenschaftförderung, Lehrerfonds, Kulturförderung (z.B. dem Bau der Carnegie Hall in New York u.v.a.m. spendete er auch für das kleine Kirchlein Geld oder Kirchenfenster wie dieses hier:

In den 80er verkaufte die Familie Carnegie allerdings das Castle Skibo und heute ist es ein Hotel des exclusiven Carnegie Clubs.

Skibo-Castle ist also bei den Reichen dieser Welt angesagt. Im Jahr 2000 hat hier Madonna ihren Guy Ritchie geheiratet, der schottische Vorfahren hat. Weil daraufhin das Heiraten in Schottland für Brautpaare aus aller Welt als chic galt, setzte ein richtiger Boom ein. Für die gelungene Werbung wurden die beiden daraufhin in den ”Ehren-Schotten-Adelsstand” erhoben und bekamen eine eigens kreiirte Tartanfarbe verliehen.

Dann wurde ihr Söhnchen geboren und nun kommt das kleine Kathedrälchen wieder ins Spiel. Den Rocco hat sie nämlich hier taufen lassen. Das damit zusammenhängende Fanaufkommen im kleinen Ort verglich die Lokalpresse damals mit der ”größten Invasion” seit der Zeit der Wikkigner”. Ein Mann soll sich 60 Stunden lang in der Orgel versteckt haben, um die besten Fotos zu machen…

Die letzte Berühmtheit, die hier der Liebsten Talulah Riley einen Ring an den Finger steckte, war Elon Musk. Funfact: beide Ehen sind geschieden. Nun aber ein paar Bilder vom Ort des Geschehens:

… ne Kirche halt …

Ansonsten ist Dornoch ein unscheinbarer aber netter Ort mit einigen Souvenirläden, im kleinen Castle befindet sich heute ein Hotel.

Keine 15 Minuten entfernt – die Destillerie mit dem Namen …

Ich bin ja erwiesener Maßen kein Whisky-Genießer, aber wenn ich jemals ein bisschen davon gehalten habe, dann bei dieser milden Variante. Und da würde ich mich auch zu einer Führung durchringen, zumal das Wetter gerade wieder schlechter wir.

Erst morgen früh 10:00 Uhr gibt es einen Platz für mich und da ich heute sowieso genug Input habe, nehm ich den für 18 Pfund. Vorher noch ein Blick in die Spirituosenregale… nach „Werksverkauf“ sieht das hier aber nicht aus 😂

In einem kleinen Museum wird übrigens erklärt, woher das verschlungene Symbol im Firmenlogo stammt. Das ist ein Teil eines alten piktischen Steins, der hier in der Gegend gefunden wurde.

Eigentlich wollte ich heute zum zweiten Mal während dieser Reise auf einen Stellplatz. Ich muss „saubermachen” und nachfüllen. Einen Bauernhof mit angeschlossener Wiese habe ich mir ausgesucht, aber die sind voll. Allerdings darf ich die Entsorgung nutzen und bekomme auch frisches Wasser – nahezu perfekt, wenn da nicht wieder das Grauwasserproblem wäre. Das will hier keiner… lassen die das alle im Wald ab???

Ein Platz für den Nachmittag – es ist erst gegen 14:00 – und die Nacht ist schnell gefunden. Gleich neben dem Carnegie Golf Court des Skibo-Hotels am Dornoch Firth gibt es ein nettes Örtchen zum Stehen. Hier war früher ein Fähranleger und ein Gedenkstein erinnert an ein Unglück vom August 1809, da hier fast 100 Passagiere einer überladenen Fähre ertranken, als sie zum Markt nach Tain übersetzen wollten.

Heute kann das nicht mehr passieren, denn es gibt eine Brücke in Blickweite.

Am späten Nachmittag kommen dann noch ein paar Camper, alle mit Hund. Auch ein Aussie ist dabei und Luna hat ihre Freude. Jetzt liegt sie hier neben mir und schnarcht friedlich, nachdem sie den Deutschen neben mir eine Wurst geklaut hat… peinlich…Kommt gut durch die Nacht.

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