Die Sonne lässt das Wasser glitzern und Menschen zu schwarzen Schatten werden, die am weiten Sandstarnd entlang laufen, Möwen sitzen in großen Gruppen an den Süßwasserzuflüssen und stieben gemeinsam auf, wenn jemand einen Stein wirft. Nur der Wind macht die Wärme erträglich und stimmt mit dem Rauschen der Wellen einen ohrenbetäubenden Lärm an. Komischerweise kann man den verdrängen, merkt allerdings, wenn man sich darauf konzentriert, wie laut das eigentlich hier ist. Kaum ein Wölkchen am Himmel und die Bucht von Douranenez weit, so weit wie das Auge reicht.

Ich sitze unter meinem selbstgebauten Sonnenschutz, der auch ab und zu als Duschvorhang dient und schreibe gemütlich Blog. Luna dämmert k.o. oder wie der Franzose sagt „malade“ im Schatten des Autos.

Ein Auge immer auf den Strand gerichtet, denn sie könnte ja was verpassen. Zum Glück sind hier Hunde erlaubt und mit einigen hat sie auch schon Bekanntschaft geschlossen.

Nie hätte ich gedacht, dass heute noch ein so schöner Tag wird. Das sah heute morgen ganz anders aus. Nachdem der Abend gestern so vielversprechend war, die Sonne beim Untergang ein zartes Rosa an den Himmel zauberte, war heute früh nur Wind-

und Wolkengrau angesagt.

letzte Abendrunde auf die Spitze der Bucht
Blick aus dem „Schlafzimmer“

Kaum kann ich meinen Schlafsack heut morgen zusammenlegen, weil der Sturm ihn so zaust. An Kaffeekochen oder Waschen ist nicht zu denken und so muss eine gründliche Feuchttücher-Reinigung reichen. Ich hoffe, im Hinterland einen ruhigeren Frühstücksplatz zu finden und fahre los. Im Nachbardorf bei „Nathalie“ gibts frisches Baguette.

Und schon auf der Suche nach einem passenden Platz zum Frühstücken ist klar, das wird heute noch schön! Der Lichtstreif am Horizont ist schon zu sehen.

Grau in Grau mit Lichtstreif ganz hinten

Einmal rechts und dann nochmal kurz rechts und schon stehe ich auf einer wunderbaren Frühstückswiese. Luna kann ausgiebig toben und auch der Wind ist fast verschwunden. So gehört sich ein Urlaubsfrühstück.

Als auch die Körperpflege in abgeschiedener Atmosphäre vollendet werden kann, entschließe ich mich, Le Faou 50 km nördlich ins Navi einzugeben. Und los gehts.

Da ich nun schon mehrmals über die tolle Brücke in Douarenenez gefahren bin und es nie geschafft habe, mal ein Foto zu machen, biege ich noch kurz ins Zentrum, besser den Hafen ab. Dort gibt es ein Schiffsmuseum. Leider darf man mit Hunden wieder mal nicht rein, was umso mehr nicht zu verstehen ist, weil es hauptsächlich ein Open Air Museum im Hafen ist. Ein paar alte Schiffe kann man sogar ohne Ticket von außen sehen.

Der Knaller schlechthin ist aber ein Leuchtturmschiff. Bei Seenot ist es früher raus gefahren, um den Pechvögeln den Weg zu weisen.

Meine Komoot-App zeigt mir, dass es einen kleinen Weg ums Hafenbecken und über die Brücke gibt und das wird unsere Gassirunde – ja auch meine, denn es gibt auch ein sich selbst komplett reinigende öffentliche Toilette 😉

Blick von der Brücke über den Hafen

Weiter gehts. Doch schon kurz hinter Douarenenez biege ich erneut von der vorgeschriebenen Straße ab, weil ganz am Rand des Navibildschirms verlockendes Gelb zu sehen ist. Nur umgeben von kleinen Nebenstraßen liegt da ein fantastischer Sandstrand mit Blick auf die Stadt.

Da gerade Ebbe ist, verlaufen sich die wenigen Menschen auf dem unendlichen Sand förmlich und ich finde auf dem kleinen Parkplatz eine wunderbare Ecke für meinen Caddy. Le Faou muss warten.

Es ist mittlerweile schon gegen 12:00 und außer mir und einem Womo aus München steht keiner hier. Es ist Samstag, wo sind die denn alle? Keiner Lust zu baden? So langsam denke ich, dass die Franzosen eine völlig andere Tageseinteilung haben. So gegen vier werden sie agil und gehen bummeln, zum Baden oder einkaufen. Vorher ist es eher ruhig. Gut für mich, denn ich sattle meinen Rucksack und gehe noch eine kleine Runde wandern. Frisches Obst fehlt in meinem Sortiment und so gehts die Klippen entlang noch einmal Richtung Stadt.

Der rote Punkt – seht ihr ihn? Das ist der Caddy.

Der erste Teil des Weges ist wunderbar, allerdings darf Luna nicht mit an den stadtnahen Strand und so müssen wir 1km an der vielbefahrenen Straße entlang bergauf laufen. Das wird in der Hitze sogar Lunchen zuviel und ich muss sie fast ziehen. Endlich – der von Google angekündigte Bioladen. Und ich Trottel hab meine Maske vergessen!!! Eine im Angebot? – Fehlanzeige. So nehme ich Lunas Leckerlibeutel und beiße von hinten einmal herzhaft in den Stoff hinein: prima Mundschutz und Hände hab ich auch frei. Nur Atmen ist ein bisschen kompliziert.

2. Fehler: Ich kaufe Sprudelwasser. 🤦🏻‍♀️ Nicht aufgepasst. Da ist Luna ganz schön erschrocken, als es an der Hundenase kribbelt. Also nochmal herzhaft ind den Leckerlibeutel gebissen und wieder rein in die Biozentrale…

Geschafft, Rucksack voll, Hund wieder aklimatisiert und nun mache ich mich auf den Rückweg. Der geht etwas idyllischer durch eine kleine Bucht, vorbei an Ruinen der Römer, die hier, soweit ich das verstanden habe gesalzenen Fisch herstellten.

Und dann liegt er wieder vor mir, der Hundeverbotsstrand. Aber von dieser Seite kommend, sieht man ja keine Schilder, ha, da bin ich jetzt aber mal ganz mutig und lauf einfach los.

Ein kleines Süßwasserflüsschen fließt hier ins Meer und breitet sich über die Sandfläche aus. Vorn am Anfang ist es nicht so breit und ich sehe einen sportlichen jungen Mann kurz Anlauf nehmen und mit einem Satz über das Flüsschen springen „Wow!“ denke ich und muss so verdutzt geguckt haben, dass er gleich lächelnd sagt: „E tu?“ oder so… Ich? Das schaffe ich nicht! Erst einmal ziehe ich mir meine Schuhe wieder an und will weiter. Doch da merke ich… ich MUSS über den Bach, hier gehts nicht lang… ich gucke mich um… keiner zu sehen… ich nehme Anlauf und… platsch, lande ich mitten im Bach… Sprungkraft wie ein Kühlschrank, oder wie sagt man so schön?

Gegen vier kommen wir nach 10km gut wieder am Heimatstrand an und der hat ich merklich gefüllt. Nicht nur der Parkplatz, auch die angrenzenden Straßen sind zugeparkt. Ich baue mir mein Sonnensegel, Luna verzieht sich auf ihre Matte und ich guck den vielen bunten Kitesurfern zu und verdrück mein frisches Obst aus dem Bioladen.

Haach gehts mir gut!

0 Kommentare zu „Sprungkraft wie ein Kühlschrank“

  1. „Sprungkraft wie ein Kühlschrank!“ Den kannte ich ja noch gar nicht, so dass Rosa von meinem Lachen aus dem Tiefschlaf aufgewacht ist. Ja, die Franzosen…. Habt einen schönen Abend und macht morgen etwas Schönes, damit wir wieder begeistert deinen Lesestoff verschlingen können.
    Liebe Grüße an euch beiden aus dem sehr heißen Lübeck, Ruth und Rosine

    1. Heute hab ich mich ins Hinterland verzogen und werde schon morgen bei Mama Lippmann aufschlagen. Sie freut sich schon😊 Dann kann der Heimweg gedrittelt werden und geht mir nicht so auf den Zünder. In der Hoffnung auf Abkühlung LG 🙋🏻‍♀️🐶

  2. Marietheres Lippmann

    Wieder ein eindrucksvoller Tag für dich und Luna! Ihr seid „nicht klein zu kriegen“, ihr müsst auch durchhalten, wir 👵🏼🐕🐈🐈 warten doch auf euch!
    Nun genießt den Abend und schlaft gut, Mithes

  3. Ach Marion, so schön hat sich dein Blog wieder lesen lassen. Du schreibst wirklich unterhaltsam. Habt noch einen schönen Abend und später eine angenehm kühle Nacht… Hier ist es furchtbar heiß. ☀️☀️☀️☀️ Liebe Grüße, Netti

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