Ostermontag ist bei uns Ruhetag. Wir brauchen eine Pause und bleiben im schönen Haus. Auch Luna hat die Nase voll vom Autofahren und lebt richtig auf, wenn sie hier im Garten sein kann. Also raus auf die Gänseblümchenwiese und Strickzeug her. So verschlendere ich den Tag und stricke, lese, schlafe, koche…
Am späten Nachmittag lockt uns dann doch noch eine kleine Tour hinauf in die Berge. Rocca Ricciarda ist ein winziges Bergdörfchen, 950m hoch auf einem Felsen gelegen und gar nicht weit von unserem Quartier entfernt. Bei all den Serpentinen verpasse ich allerdings eine Abfahrt und lande erst einmal in Poggio di Loro, etwas unterhalb und auch sehr nett.
Bei der Einfahrt hat man allerdinges das Gefühl, hier sein ein Dorffest in vollem Gange, denn überall parken Autos. Doch neben den üblichen Schattensitzern am Hauptplatz ist hier absolut niemand auf der Straße zu sehen. Herrlich ruhig, wunderbare Stille und klare Luft – und wir bummeln so vor uns hin.
...auch ein Backhaus gibt es hier.
Im nächsten Dorf das gleiche Spiel, bis ich merke, dass es hier wirklich kaum Platz für Autos gibt, denn die Dörfchen kleben förmlich am Berg. Die Bewohner nutzen also jeden möglichen Zentimeter aus und heute am Feiertag sind die Orte bevölkert. Meist sind das nämlich die Sommerfrischen und Wochenendhäuser der Leute aus dem Tal. Kann ich mir gut vorstellen, dass es sich hier oben im Sommer deutlich besser aushalten lässt als in der Arno-Ebene. Und heute am Osterwochenende sind viele Häuser besetzt, große Tische stehen draußen im Garten und die Familien haben Platz genommen. An den Bäumen hängen zwar noch keine Oliven oder Zitronen aber sonst: absolut der Klassiker, ganz wie das Italien-Klischee.
Rocca Ricciarda ist aber anderes. Der Ort scheint aus und mit dem Stein verwachsen zu sein. Überall bricht der Fels hervor, bildet Mauern, Wegbegrenzung oder Sitzfläche. Ganz oben, auf den Ruinen einer alten Burg, die man über eine Eisentreppe erreicht, gibt es einen wunderbaren Rundumblick. Ich kann man es kaum fassen, dass diese alte Burg einmal an einer wichtigen Straße vom Valdarno hinüber ins Casentino-Tal lag. Was heute so einsam und abgelegen scheint, war im 12.Jahrhundert eine wichtige Verbindung.
Gemütlich fahren wir an herrlichen Rastplätzen vorbei zurück ins Tal. Ich genieße noch einen gemütlichen Abend im schönen Haus und denke beim Blick zum Mond, dass da jetzt gerade ein paar Menschen eine ganz andere Reise unternehmen. In diesem Moment sind sie soweit von der Erde entfernt wie vorher noch kein anderer Mensch.Wahnsinn!
Am nächsten Morgen gehts pünktlich los nach Cortona – dem angeblich schönsten Bergdorf der Toskana. Das ist 83km entfernt und ich verlängere die Strecke gleich mal um 30km, weil ich mich auf der Autobahn falsch einfädle… Passiert.
Gegen 10:00 Uhr sind wir da und schon von Weitem sieht man die schöne Silhouette
des Ortes auf dem 500m in den Himmel ragenden Bergkegel. Hier wurde 2003 das Buch „Unter der Sonne der Toskana“ verfilmt und seitdem soll der Ort sehr voll sein – nicht so heute. Auf dem steilen Weg hinauf zum Santuario di Santa Margherita treffe ich genau zwei Menschen. Die Stadt ist uralt, hat etruskische, römische und florentinische Herrscher erlebt und sich viel aus dieser alten Zeit bewahrt. Bis hin zum Pflaster scheint hier alles etwas aus der Zeit gefallen und das was es hier kaum gibt sind gerade Straßen. Bergauf oder bergab – das sind die Alternativen.
Oben angekommen bestaune ich zuerst einmal die Aussicht und dann die neoromanische Wallfahrtskirche aus dem 19.Jahrhundert und wundere mich über die Mumie, die hinter dem Altar wie Schneewittchen im versilberten Glassarg liegt. Das ist die Patronin der Stadt, die heilige Margarete von Cortona, die 1297 verstorben ist und aufgrund ihrer Heiligkeit nicht verweste. 1302 wurde an dieser Stelle die erste Kapelle für sie errichtet und noch heute wird sie hier ausgestellt. Ob das eine Ehre ist? Dann bin ich wohl doch lieber keine Heilige!
Etwas den Berg hinauf ist der höchste Punkt erreicht und da haben wieder einmal die Medicis eine ihrere zahlreichen Festung erbaut. Ich genieße aber lieber den Ausblick, als ins Museum zu gehen. (Das 1. Bild ist vom Baustellenschild)
Beim Bummel hinunter in die Stadt komme ich an einer Ausstellung mit „Wimmelbildern“ vorbei. das sind aufwendig gezeichnete Bilder zu verschiedenen Themen. Eines davon hatte ich schon in der Basilika von Arezzo gesehen. Hier stellt das Künstlerpaar gleich mehrere aus. Hier z.B. eins über verschiedene Orte in Italien und eins über Cortona.
Lunchen wartet brav davor
Und dann am Piazza Republica gibt es natürlich auch Touristen. Clevere Marketingstrategen haben auch den hier gedrehten Film im Visier und weisen den interessierten Besucher auf die entsprechenden Drehorte hin.
Lunchen hat das Schnüffeln nun langsam satt – solche Städte sind aus Schnüffelperspektive nämlich der Knaller – und schleicht nur noch hinter mir her. Deshalb gehts zum Auto zurück und wir machen noch den Hopser hinüber nach Montepulciano, wenn wir schonmal in der Gegend sind. Dies ist eines der höchstgelegenen Städtchen der Toskana und berühmt für seinen Wein, den Humanisten Poliziano, der Lehrer bei den Medicis war und den Bravio delle Botti, einen Wettlauf, bei dem man eine 85kg schweres Weinfass die steilen 1650m bis zum Piazza Grande hinaufrollen muss. Also mir hats schon gereicht, dass ich mich da selbst hinaufrollen muss und Luna sah auch nicht nach begeisterter Hundedame aus, als sie nun schon die zweite Bergstadt erklomm. Ich hätte sie ja gern im Auto schlafen lassen, aber das war dann doch etwas zu warm. Unterbrochen wird der „Aufstieg“ durch wunderbare Ausblicke ins Land und ruhige Terassen zum Ausruhen.
Auf dem Rückweg nachhause fahre ich Landstraße – richtige Entscheidung! Der Blick zurück auf Montepulciano ist traumhaft:
Und wegen dieses Grüns musste ich unbedingt anhalten – dem Hupen zufolge fand das nicht jeder so pralle. Aber die Farbe war einmalig – kein Photoshop – es war echt so! Ich konnte es selbst kaum fassen.
Was für ein schöner Tag. Herzlich werden wir zuhause empfangen. Mario hat sich noch einmal um mein warmes Wasser gekümmert und führt stolz den Erfolg vor. Luna freut sich und tobt über die Gänseblümchenwiese. Jetzt sitze ich hier und genieße die Rückschau. Morgen ist unser letzter Tag hier, mal sehen, was er bringt. Buona notte und ratet mal welchen Film ich jetzt gleich gucke….
2 Gedanken zu „Ausblicke“
Doreen
Liebe Marion,
wir freuen uns wieder dabei zu sein und lesen begeistert mit 🤗! Eine schöne Zeit und bis bald von uns❤️
Hallo Nachbarn, schön, dass ihr wieder mit mir reist. Leider muss ich morgen schon wieder die Heimreise antreten, denn mein Haus in der Toskana hab ich noch nicht gefunden. Bis bald und liebe Grüße 🙋🏻♀️ & 🐶
Liebe Marion,
wir freuen uns wieder dabei zu sein und lesen begeistert mit 🤗! Eine schöne Zeit und bis bald von uns❤️
Hallo Nachbarn, schön, dass ihr wieder mit mir reist. Leider muss ich morgen schon wieder die Heimreise antreten, denn mein Haus in der Toskana hab ich noch nicht gefunden. Bis bald und liebe Grüße 🙋🏻♀️ & 🐶